28.06.2004

SACHBUCHLandflucht der Wildtiere

Ginge es nach den Habichten, könnte die Berliner Love Parade Jahr für Jahr stattfinden. Die drei Paare, die im Tiergarten ihre Jungen hochziehen, störten sich bisher nicht an dem Lärm. Wie für die meisten anderen in die Städte einziehenden Wildtiere ist für sie einzig wichtig, dass es genug zu fressen gibt. Sich anzupassen und möglichst unauffällig zu verhalten eint die Neubewohner: Füchse inspizieren wie streunende Hunde die Abfallkörbe, Steinmarder machen es sich unter Motorhauben bequem, Wildschweinrotten überqueren familiär geordnet die Straßen - und vermehren sich kräftig. Von Sauen in Wohnzimmern las man bisher nur in lokalen Zeitungen, nun hat der Zoologe und Autor Cord Riechelmann solche unverhofften Begegnungen in einem Buch zusammengefasst. Nicht als Anekdote wird das Auftauchen der Tiere dem Leser präsentiert, sondern als Phänomen, das in einem Zusammenhang steht: So sind zum Beispiel überdüngte Felder für das Verschwinden der Wildkräuter und damit für die Landflucht vieler Tiere verantwortlich. Riechelmann beklagt wenig, meist beobachtet er fasziniert und mit gleicher Sympathie für Krabbel- und Pelztiere: Die aus Computergehäusen drängenden Pharaoameisen begeistern ihn ebenso wie Kaffeesahne hortende Ratten im Kneipenkeller.
Cord Riechelmann: "Wilde Tiere in der Großstadt". Nicolai Verlag, Berlin; 176 Seiten; 16,90 Euro. Mit Tierstimmen-CD.

DER SPIEGEL 27/2004
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