28.06.2004

MODE„Mitte bedeutet Mittelmaß“

Modeschöpfer Karl Lagerfeld, 65, über seine Herbstkollektion für den schwedischen Textilkonzern Hennes & Mauritz (H&M) und seine Model-Rolle
SPIEGEL: Was entwirft ein Couturier wie Sie ausgerechnet für einen Billigmoden-Konzern wie H&M?
Lagerfeld: Die Garderobe für den Tag. Habe ich in meinem Zeichenstudio mit Mitarbeitern entworfen - kleine Tops, Partykleider oder einen Rollkragenpullover aus Cashmere, der 40 Euro kosten wird.
SPIEGEL: Wie schwer war es, Sie als Schneider für die Massen zu gewinnen?
Lagerfeld: Gar nicht schwer. Ich fand die Idee von H&M toll, und es mixen doch sowieso längst alle. Chanel geht problemlos mit H&M. Das Drama liegt doch in der Mitte, die Mittelmaß bedeutet.
SPIEGEL: Aber vielen großen Häusern wird auch die Haute Couture inzwischen zur Last, Ungaro und Givenchy verzichten bereits darauf. Hat das Nobelgeschäft noch Zukunft?
Lagerfeld: Ich kenne nur eine Zukunft, und das ist meine. Chanel, für die ich arbeite, verliert mit Haute Couture keinen Cent.
SPIEGEL: Werden Sie sich durch Ihre Billiglinie nicht selbst zum Konkurrenten?
Lagerfeld: Nein, ich mach das ja nur einmal, weil es mich amüsiert. Das ist eine Art Statement.
SPIEGEL: Wofür?
Lagerfeld: Gegen das alte Wort "exklusiv" etwa, das die Mode zur Branche der Snobisten gemacht hat. Das überholt sich aber gerade, weil es für die alte Generation steht, für den Muff.
SPIEGEL: Sie werben für Ihre Kollektion auch als Model auf Plakaten.
Lagerfeld: Der Witz ist ja, dass mein Look nicht besonders trendy ist, eigentlich der Look eines Niemand, generationslos. Deswegen mögen mich die Jungen ja auch lieber als die Alten, die hassen mich.
SPIEGEL: Tragen Sie selbst H&M?
Lagerfeld: Ja natürlich, einen Gabardineanzug in Größe 46 für 49 Euro zum Beispiel. Der sitzt wunderbar.

DER SPIEGEL 27/2004
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