28.06.2004

BOSNIENAuf der Spur des Serben-Führers

Der Rückhalt für den vom Westen gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic schwindet. Aus der politischen Führung der Republika Srpska, des serbischen Teils Bosniens, mehren sich die Appelle, Karadzic solle aufgeben. Dragan Kalinic, Vorsitzender der Volkskammer und Chef der von Karadzic mitbegründeten Partei SDS, rief den einstigen Serben-Führer auf, sich freiwillig dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag zu stellen. Andernfalls, so die Mahnung, werde der serbische Teil Bosniens "schwersten Sanktionen" und internationaler "Isolation" ausgesetzt sein. Hintergrund ist die Drohung des Westens, das Balkanland nicht in das Nato-Programm "Partnerschaft für den Frieden" aufzunehmen, wenn Karadzic weiter frei herumläuft. Dies hätte auch personelle Konsequenzen, warnte der internationale Bosnien-Beauftragte Paddy Ashdown: Er werde mehrere serbische Politiker absetzen. Der Europarat forderte die Serbische Republik in Bosnien auf, endlich ernsthafte Schritte zur Verhaftung zu unternehmen. Auf der Suche nach Karadzic patrouilliert die Friedenstruppe Sfor verstärkt im bosnisch-montenegrinischen Grenzgebiet. Mit einer Botschaft hatten sich die Verfolger über Zeitungen an dessen Unterstützer-Netzwerk gewandt: "Die Menschen haben begonnen zu reden", warnten sie Karadzic-Helfer, "wir sind näher, als ihr denkt."

DER SPIEGEL 27/2004
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BOSNIEN:
Auf der Spur des Serben-Führers

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