28.06.2004

ZEITGEISTMit Parka, Hirschbeutel und Römersandalen

Die DDR war mehr als das Land spießiger Diktatoren, von Mauer, Stasi und Kombinat "Schwarze Pumpe": In einer vielfältigen Subkultur tummelten sich in den siebziger und achtziger Jahren auch Tausende DDR-Hippies, die sich selbst "Kunden", "Tramper" oder "Blueser" nannten. Die Beinahe-Aussteiger liefen in Römersandalen und "Shell-Parkas" herum und waren immer auf der Suche nach den Enklaven der Sehnsucht, nach einem ganz anderen Leben. Sie trugen ihre Habseligkeiten in selbst bestickten Hirschbeuteln mit sich herum und liebten Folk, Jazz und Rock. Ihren persönlichen Blues bekämpften sie mit dem West-Import Jimi Hendrix oder mit der Musik von Monokel, einer Band aus Ost-Berlin. Deren Hit "Bye bye, Lübben City" gab den Titel zu einem opulenten Band, in dem 40 Autoren den verrückt-alternativen Alltag im real existierenden Sozialismus beschreiben ("Bye bye, Lübben City", 480 Seiten mit 200 Abbildungen, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin). Es ist ein Buch der abenteuerlichen Erinnerungen an ein Land, das es nicht mehr gibt - die zahlreichen Fotografien aus wilder Zeit rühren selbst das Herz von eingefleischten Wessis.

DER SPIEGEL 27/2004
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ZEITGEIST:
Mit Parka, Hirschbeutel und Römersandalen

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