28.06.2004

Wissenschaft + Technik„Keiner ist so nah dran wie wir“

Extremflieger Steve Fossett über Pannen und Risiken beim Jungfernflug des „Space Ship One“
Der Milliardär Fossett, 60, ist Miteigentümer der Firma Scaled Composites, die das "Space Ship One" gebaut hat. Er machte sich einen Namen mit zahlreichen Rekordflügen. Als Nächstes will er in dem von Burt Rutan konstruierten Spezialflugzeug "Global Flyer" als erster Pilot allein und ohne Zwischenstopp den Globus umrunden.
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SPIEGEL: Es gab beim Start Probleme?
Fossett: Ja, es war fürchterlich aufregend. Wir haben am Funkgerät verfolgt, wie der Pilot mit dem Kontrollzentrum gesprochen hat. Er hatte Probleme mit der Steuerung und war nicht mehr in der Lage, das Raumschiff stabil zu halten.
SPIEGEL: Konnte man das vom Boden aus sehen?
Fossett: Nun, das Raumschiff stieg nicht, wie erwartet, senkrecht nach oben. Es kam insgesamt 40 Kilometer vom Kurs ab.
SPIEGEL: Was bedeutete das für den Flug?
Fossett: Vor allem musste man befürchten, dass das "Space Ship One" die angestrebte Höhe nicht erreichen würde, weil die Flugbahn ja nun länger war. Im schlimmsten Fall jedoch hätte die komplette Kontrolle über das Raumschiff verloren gehen können - oben, in hundert Kilometer Höhe, oder später bei der Landung.
SPIEGEL: Gab es dafür ein Notsystem?
Fossett: Ja, sicher. Es handelt sich ja um ein hoch entwickeltes Raumschiff mit zweitem Notsteuerungssystem, auf das Mike Melvill, der Pilot, dann auch umgeschaltet hat, nachdem er die Probleme bemerkt hatte.
SPIEGEL: Ist nach dieser Panne das gesamte Projekt gefährdet?
Fossett: Erst einmal müssen die Ergebnisse ausgewertet werden. Aber ich bin sicher, dass sich die Probleme dann lösen lassen.
SPIEGEL: Kann "Space Ship One" den "X-Preis" noch gewinnen?
Fossett: Unbedingt. Keiner ist so nah dran wie wir, und es bleibt uns ja noch Zeit bis Ende des Jahres. Den Preis werden wir gewinnen.
SPIEGEL: Sind solche Projekte nicht letztlich zu gefährlich?
Fossett: Wir tun ständig etwas Neues, was noch niemand zuvor gemacht hat. Natürlich ist das riskant. Mit jedem Flug wird es sicherer werden. Aber dieser Flug war ja gerade deshalb so interessant, weil er so riskant war.
INTERVIEW: STEFAN AUST, GUIDO HOLZ
Von Stefan Aust und Guido Holz

DER SPIEGEL 27/2004
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