28.06.2004

TV-Vorschau

Die Stunde der Offiziere
Dienstag, 20.15 Uhr, ZDF
Die Mainzer wollen mehr als ihre Konkurrenten vom Ersten mit deren Stauffenberg-Film vom Februar dieses Jahres: Sie haben sich vorgenommen, die Geschichte des militärischen Widerstands gegen Hitler noch umfassender zu erzählen. Dieses ZDF-Stück (Buch: Hans-Christoph Blumenberg, Regie: Hans-Erich Viet) handelt nicht nur von Stauffenbergs Attentat am 20. Juli, sondern auch von früheren Anschlagsversuchen wie der Platzierung einer Bombe in Hitlers Flugzeug (Smolensk 1943) und dem in letzter Minute gescheiterten Plan des Offiziers Rudolf-Christoph von Gersdorff, sich mit Hitler in die Luft zu sprengen. Aber bringt dieses Mehr des Stoffes auch ein Mehr an Eindringlichkeit? So packend manche Szenen dieses Doku-Dramas dank vorzüglicher Besetzung (Klaus J. Behrendt, Harald Schrott, Hermann Lause) ausgefallen sind, so anstrengend wirkt die Fülle ziemlich ähnlicher Szenen mit schneidigen Offizieren, dramatischen Telefonaten und vielen Schauplätzen. Aus der Flut der nachgespielten Szenen ragen die originalen Statements der Zeitzeugen heraus - erlebte Geschichte hat eine ganz eigene Kraft.
Die Liebe hat das letzte Wort
Freitag, 20.15 Uhr, ARD
"Verschreiben Sie alle Ihre Sinne dem Wagnis und dem Abenteuer Literatur", lässt das hier in Pathos ausbrechende Drehbuch (Mónica Simon) den Germanistikprofessor Robert (Günther Maria Halmer) zu seinen Studenten sagen - brav verneigt sich das Fernsehen vor der Schriftkultur. Und die TV-Geschichte, die dann abrollt, kann es tatsächlich nicht mit literarischem Tiefgang aufnehmen, sondern liefert eine Art "Pygmalion" light: des widerspenstigen Hagestolzprofessors allmähliche Bekehrung zu familiären Werten in schönen bunten Bildern vor italienischen Weinbergen. Der pedantische Bücherwurm braucht lange, um auch die erotischen Vorzüge der schönen Haushälterin Maria (Sabine Vitua) zu würdigen. Ein plötzlich auftauchender Knabe (Jeremy Mockridge), Patensohn Marias, hilft dem Professor emotional auf die Sprünge. TV-Star Halmer macht aus dem immer wieder zurück ins Scheue fliegenden Robert ein schauspielerisches Kabinettstückchen, Ruth Maria Kubitschek als umwölkte Winzerin dagegen ist gewöhnungsbedürftig, so ironiefrei und unintrigant, wie ihre Rolle angelegt ist.
Pepe Carvalho - Rendezvous mit dem Tod
Freitag, 20.45 Uhr, Arte
Privatdetektiv Carvalho (Juanjo Puigcorbé) aus Barcelona hat wieder alle Hände voll zu tun, um für juristische wie menschliche Gerechtigkeit zu sorgen: In vier neuen Folgen nach den Romanen des im vergangenen Jahr verstorbenen spanischen Autors Manuel Vázquez Montalbán, die jeweils von anderen Regisseuren gedreht wurden, liefert sich der Ex-Kommunist und ehemalige politische Häftling Carvalho Rangeleien mit der Polizei, verbrennt Bücher, die er nicht versteht, und redet Mördern ins Gewissen. Zusammen mit seinem Assistenten Biscuter (Jean Benguigui) und seiner Freundin, der Prostituierten Charo (Carla Maciel), ist er in dieser ersten Krimifolge (Regie: Laurent Jaoui) einem Messerstecher auf der Spur und liegt mit seiner Intuition ausnahmsweise falsch - sein Charme ist trotzdem gewaltig.

DER SPIEGEL 27/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Optische Illusionen: Alles höchst verwirrend
  • Queen's Speech: Elizabeth II. verliest Johnsons Pläne
  • Stillgelegtes Kraftwerk: Vier Kühltürme gleichzeitig gesprengt
  • Brexit-Angst auf Rügen: Kein Deal, kein Fisch