28.06.2004

TV-Rückblick

Osama Bin Laden - Begegnungen mit einem Terroristen
23. Juni, ARD
Man muss sich den Erzbösen als teuflisch höflich vorstellen: Der saudiarabische Terrorprinz Osama Bin Laden, so wie ihn zeitweilige Weggefährten und Interviewer schildern, ist ein Pferdenarr und züchtet, wenn er nicht gerade massenmörderische Attentate plant, Sonnenblumen. Er wirkt "geschmeidig wie eine Katze, sehr muskulös", begrüßt Gäste aber mit überraschend "weicher Hand", und manchmal singt er ihnen "Lieder über den Mond und die Wüste" vor. Können solche Impressionen und Anekdoten, serviert mit der Schnipseltechnik des Doku-Formats, die höchst widersprüchliche Psyche des sanften Fanatikers offen legen? Zumindest gelang es dem von Sendern in acht Staaten koproduzierten Film (Autoren: Jane Bonham Carter, Darren Conway), Bin Ladens Vita in wesentlichen Zügen nachzuzeichnen.
Was aber macht den Mann so faszinierend, verleiht ihm seine eigenartige Aura? "Anspruchslos freundlich" sei der meistgesuchte Mann der Welt und auch
"irgendwie kleinkariert", erfuhr der Zuschauer. Bin Ladens Kinder, deren Zahl er nicht mal selber kennt, spielen mit Kalaschnikows und Gameboys. Man hätte gern noch mehr über den Qaida-Häuptling erfahren - doch Teil seines Mysteriums ist ja gerade, dass über den gefährlichen Mann so wenig Bildmaterial verfügbar ist.

DER SPIEGEL 27/2004
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