19.07.2004

KUNST AM BAUSchau rein bei Nachbars

Der Blick in das andere Leben wärmt den Voyeur in uns, ist Kerngeschäft der Kinos, des Fernsehens und der Klatschpresse - und wird auf ironische Weise von einer Kunst-am-Bau-Arbeit gefeiert, die jetzt in München-Pasing installiert wurde. In der klassischen Siedlungssituation (man kann nicht anders, man muss ja gucken) verdecken oder zeigen Metalltafeln das Leben einer achtköpfigen Familie. Um die Spionage zu erschweren, sind die Tafeln verschiebbar und fungieren, je nach Position, als Sonnen- und Sichtschutz - oder als Provokation. Schrift und Ornamentik wurden ausgefräst, so dass die perforierten Teile am Abend, bei Innenbeleuchtung, zu schweben scheinen. Das Haus, so der Künstler Peter Baron, 45, "wird zur geheimnisvollen Kiste. Was verbirgt sich dahinter? Dürfen die das?" Passanten bleiben traubenweise stehen, Fahrer halten verdutzt die Autos an; die Familie nimmt's gelassen. Wenn die Sache Schule macht, gehen Barons Tafeln womöglich in Serie, und das Publikum guckt sich bei schönem Wetter im ganzen Land gegenseitig beim Leben zu. Bei Regen oder Dunkelheit ist die Intimsphäre gesichert.

DER SPIEGEL 30/2004
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KUNST AM BAU:
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