23.08.2004

MANAGERPeinliche PR-Postille

In bundesdeutschen Luftfahrtkreisen wächst die Kritik an Fraport-Chef Wilhelm Bender - diesmal nicht wegen waghalsiger Expansionsprojekte, sondern wegen seines ausgeprägten Hangs zur Selbstdarstellung. Zum 60. Geburtstag des Frankfurter Flughafen-Bosses am 3. August hatte die "Bild"-Zeitung eine achtseitige Sonderbeilage veröffentlicht, die erstmals tiefe Einblicke in die Persönlichkeitsstruktur des ehrgeizigen Airport-Managers ermöglichte. Finanziert wurde die PR-Postille unter anderem aus Anzeigen der Hessischen Landesbank und der Frankfurter Messegesellschaft. Neben Kinderfotos aus der Familienschatulle enthält das Jubelheft erstaunliche Bekenntnisse des früheren Bahn-Managers. So erfährt der Leser, dass Bender seine Hemden in Hongkong aus ägyptischer Baumwolle nähen lässt. "Die haben da meine Maße, das geht fix", zitiert das Blatt den Fraport-Vorstandsvorsitzenden. Auch Benders Mutter, die er "Reubel" nennt, seine Sekretärinnen ("Von kurzen Reisen bringt er stets die Pralinen aus dem Flugzeug mit") und seine Lebensgefährtin ("Sein Charme ist mir natürlich nicht entgangen") kommen ausführlich zu Wort. Als Hobbys nennt Bender Radfahren, Gartenarbeit und Lesen (Lieblingsbuch: "Aus dem Leben eines Taugenichts"). Viele Kollegen sind über das Bender-Special so pikiert, dass sie ihre Teilnahme an seiner nachträglichen Geburtstagsfeier am 3. September im Steigenberger Airport-Hotel absagen wollen. Einer der prominentesten Gäste, der ehemalige Vorstands- und heutige Aufsichtsratschef der Lufthansa, Jürgen Weber, wird sich aber kaum drücken können. Der extrem zurückhaltende Topmanager, der jeglichen Personenkult scheut, soll, wie auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch, eine Festrede halten.

DER SPIEGEL 35/2004
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