02.02.1955

BÜCHERBESTSELLER

Der Roman "7 vorbei 8 verweht" von Dr. Paul Herrmann (Hoffmann und Campe Verlag Hamburg) wurde vom mächtigen amerikanischen "Book-of-the-Month-Club" für März 1955 als "Buch des Monats" angenommen. Damit ist dem deutschen Autor eine Riesenauflage der amerikanischen Übersetzung seines Buches sicher. Mit der Buchklub-Annahme verbunden ist außerdem eine Summe von 50 000 Dollar, die zur Hälfte an den amerikanischen Verleger und zur Hälfte an den Verfasser geht. Dr. Herrmann ist der erste binnendeutsche Autor, der nach dem Kriege vom "Book-of-the-Month-Club" gekürt wurde. Diese Ehre wurde in den letzten Jahren von deutschsprachigen Autoren nur den Emigranten Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Erich Maria Remarque sowie dem Österreicher Heinrich Harrer zuteil. Herrmann behandelt in seinem Buch die Geschichte der großen Entdeckungsfahrten, wobei er Christoph Columbus als den eigentlichen Entdecker der Neuen Welt nicht erwähnt, weil er ihn nicht mehr zu den "frühen Entdekkern" rechnet. Das amerikanische Großinteresse an seinem Buch kommt darum um so überraschender. Eine Überraschung bedeutet die Bestseller-Nachricht auch für den Autor des größten deutschen Bucherfolges nach dem Kriege, C. W. Ceram ("Götter, Gräber und Gelehrte"). Unter seinem bürgerlichen Namen Kurt W. Marek nahm er früher das Cheflektorat im Rowohlt-Verlag wahr. In dieser Eigenschaft lehnte er vor Jahren das ihm zur Prüfung eingereichte Manuskript Dr. Herrmanns ab, weil ihm die Darstellung zu wissenschaftlich erschien, und ließ so seinem Verlag einen Welterfolg entgehen.

DER SPIEGEL 6/1955
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