06.04.1955

SOWJETZONEDIE SCHLEICHENDE VERSORGUNGSKRISE

DIE SCHLEICHENDE VERSORGUNGSKRISE
in der sowjetischen Besatzungszone, die alljährlich im Frühjahr neue Höhepunkte erreicht, ist Ursache dafür, daß in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik nur der unbedingt lebensnotwendige Bedarf - den es zum größten Teil auf Karten gibt - zu Preisen eingekauft werden kann, die mit westdeutschen Preisen vergleichbar sind. Alle Ansprüche, die über das Existenzminimum hinausgehen, müssen zu teuren HO-Preisen befriedigt werden, was nur einer dünnen, gut verdienenden Schicht möglich ist. Während also - nach den letzten einschlägigen Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Berlin und Bonn - bei bescheidensten Ansprüchen in der DDR für eine Ostmark soviel gekauft werden kann wie in der Bundesrepublik für 96 Pfennig, muß ein Sowjetzonenbewohner mit gehobenem Bedarf eine Ostmark für die Waren ausgeben, die in Westdeutschland 70 Pfennig kosten. Qualitätsunterschiede sind dabei noch nicht berücksichtigt, auch nicht die Tatsache, daß viele Artikel des täglichen Bedarfs schwer oder gar nicht zu haben sind. - Der Wechselkurs der Westberliner Wechselstuben wird diesem Bild von der Kaufkraft der sowjetzonalen Währung nicht gerecht. Eine Ostmark ist dort schon für rund 20 Pfennig zu haben. Diese Relation ist nicht etwa auf ein Überangebot von Ostmark durch Zonenbewohner, die in Westberlin einkaufen wollen, sondern hauptsächlich auf mangelnde Nachfrage der Westberliner nach Ostmark zurückzuführen; Westberliner dürfen im Sowjetsektor der Stadt nicht mehr für günstig getauschtes Ostgeld kaufen, essen und trinken. Je schärfer die Behörden der Zone dagegen vorgehen, desto geringer wird das Interesse an Ostgeld, desto mehr sinkt der Ostmarkkurs, desto unerschwinglicher werden alle Westberliner Waren für Käufer aus der DDR und desto seltener ostoffiziell unerwünschte Reisen aus der Zone nach Westberlin.
[Grafiktext]
Eine vierköpfige
Arbeitnehmerfamilie
hat für ihre Lebenshaltung
monatlich
aufzuwenden

IN DER BUNDESREPUBLIK IN DER SOWJETZONE
DM-West DM-Ost
Für lebensnotwendigen Mindestbedarf 167 174
Für normalen Verbrauch 290 390
Für gehobenen Verbrauch 358 516

[GrafiktextEnde]
[Grafiktext]
Eine vierköpfige
Arbeitnehmerfamilie
hat für ihre Lebenshaltung
monatlich
aufzuwenden

IN DER BUNDESREPUBLIK IN DER SOWJETZONE
DM-West DM-Ost
Für lebensnotwendigen Mindestbedarf 167 174
Für normalen Verbrauch 290 390
Für gehobenen Verbrauch 358 516

[GrafiktextEnde]

DER SPIEGEL 15/1955
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