13.04.1955

Der SPIEGEL berichtete ...

...in Nr. 12/1955 KONZERNE - UNTERDRÜCKTE DOKUMENTE über die in einem Gutachten der Uno-Wirtschaftskommission für Europa (ECE), Sitz Genf, festgestellte künstliche Überhöhung der europäischen Erdölpreise durch die eng miteinander verflochtenen amerikanischen, britischen, holländischen und französischen Ölkonzerne. Das New-Yorker Uno-Generalsekretariat hatte das Gutachten unterdrückt und der ECE lediglich gestattet, den Uno-Mitgliedstaaten je ein Exemplar mit dem Vermerk "Streng vertraulich" zuzustellen.
--- Drei Tage nachdem der SPIEGEL den Kern des Gutachtens dargestellt hatte, wurde es der Weltöffentlichkeit auf Beschluß des Kohlen-Komitees der ECE bekanntgemacht. Der amerikanische Regierungsvertreter im Kohlen-Komitee stimmte nur deswegen zu, weil Teile des Gutachtens "bereits enthüllt worden sind".
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... in Nr. 27/1952 AUERBACH-PROZESS - LEHM IN TÖPFERS HAND über die im Rahmen des Auerbach-Prozesses gegen den Landesrabbiner von Bayern, Dr. Aaron Ohrenstein, verhandelte Anklage wegen Falschbeurkundung. Ohrenstein hatte für 111 jüdische "displaced persons", die es entweder gar nicht gab oder die längst ausgewandert waren, Entschädigungsberechtigungen beglaubigt.
--- Inzwischen hat die Israelitische Kultusgemeinde München den Dr. Ohrenstein (Bild) seines Amtes als Landesrabbiner per Ultimo März enthoben, nachdem ihm Ende Dezember 1954 gekündigt worden war. Damals hatte eine Strafkammer des Landgerichts München den Rabbiner in einem Revisionsverfahren wegen Betruges endgültig zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Dasselbe Gericht hatte bereits 1952 auf diese Strafe zuzüglich einer Geldstrafe von 10 000 Mark erkannt. Dieses Urteil hatte der von Ohrenstein angerufene Bundesgerichtshof jedoch an das Landgericht München zurückverwiesen mit der Auflage, das Strafmaß zu revidieren.
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... in Nr. 44/1954 LEHRER-GEBETBUCH - STRENGE MASS-STÄBE über einen Brief der katholischen Regierungsdirektorin im Kultusministerium Rheinland-Pfalz, Helene Rothländer, an den katholischen Spätheimkehrer und Volksschullehrer in spe Robert Geimer aus Schifferstadt. Darin teilte sie ihm "im Auftrage" mit, er könne auf eine Lehrerstelle in Rheinland-Pfalz nicht rechnen, weil er eine Protestantin zur Frau habe. In dieser Hinsicht lege auch die evangelische Kirche heute strenge Maßstäbe an.
--- In einer Pressekonferenz hat der Vorsitzende der rheinland-pfälzischen "Landesvereinigung zur Erhaltung und Förderung der Simultanschule", Professor Dr. Karl Bechert (Mainz), kürzlich kritisiert, daß Kultusminister Albert Finck den Rothländer-Brief an Geimer immer noch nicht amtlich und schriftlich zurückgezogen hat. Inzwischen seien neue Fälle katholischer Intoleranz in Rheinland-Pfalz bekannt geworden. Auf Vorstellungen eines katholischen Ortspfarrers hin habe die evangelische Frau eines katholischen Lehrers sich genötigt gefühlt, zum Katholizismus überzutreten. Ein anderer katholischer Ortspfarrer habe einem Lehrer dringend empfohlen, sein evangelisch getauftes Kind umtaufen zu lassen.

DER SPIEGEL 16/1955
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