04.05.1955

40-STUNDEN-WOCHE / GEWERKSCHAFTDie Zeit ist reif

Schon einige Tage vor dem 1. Mai erklärte Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard demonstrativ auf der Industriemesse in Hannover: "Die westdeutsche Wirtschaft kann sich den Luxus der 40-Stunden-Woche vorläufig nicht leisten. Es ist noch zu früh."
Der Bundeswirtschaftsminister nahm mit dieser Erklärung seine Antwort auf die Hauptthese des Deutschen Gewerkschaftsbundes vorweg, die auf allen offiziellen Maifeiern verlesen wurde: "40 Stunden Arbeit sind genug!" Außerdem agitierten die offiziellen Gewerkschaftssprecher: "Die Zeit ist reif, und es wäre eine Tragik für die weitere Entwicklung unserer modernen Arbeitswelt, sollte die Lösung der 40-Stunden-Woche wieder einer sechzigjährigen Auseinandersetzung bedürfen wie ehedem die 48-Stunden-Woche."
Dieser klassenkämpferische Peitschenhieb sollte an die Zeit erinnern, als es in Deutschland noch echte Proletarier gab die schließlich 1889 eine Delegation zum internationalen Arbeiterkongreß nach Paris schickten, wo der 1. Mai zum Kampftag der Proletarier aller Länder proklamiert wurde. Damals verkündete der Veteran der deutschen Sozialdemokratie der Fabrikantensohn Friedrich Engels aus Barmen: "Heute hält das europäische und amerikanische Proletariat Heerschau über seine zum ersten Male mobilgemachten Streitkräfte, mobil gemacht als ein Heer unter einer Fahne und für ein nächstes Ziel: den ... gesetzlich festzustellenden achtstündigen Normalarbeitstag."
Erst 1922 wurde in Deutschland der achtstündige Normalarbeitstag nach heftigen Reichstags-Debatten Gesetz. Händeringend beschwor damals der Abgeordnete der Deutschen Volkspartei, Dr. Moldenhauer, das Plenum, von diesem "Abenteuer" abzulassen, da sonst ein "wirtschaftliches Unglück" passieren werde. Nun ist dieses Gesetz allerdings niemals strikt eingehalten worden. Besonders in der Nachkriegszeit hat sich die Arbeitszeit immer mehr von der 48-Stunden-Grenze wegentwickelt, allerdings nicht abwärts, sondern aufwärts (s. Graphik S. 14). Die 17 Millionen Beschäftigten der Bundesrepublik halten heute mit einer Durchschnittsarbeitszeit von fast 50 Stunden wöchentlich den Rekord aller Industrieländer der Welt. Zweifellos hat diese Arbeitswut erheblich zum deutschen Wirtschaftswunder beigetragen.
Meinungsforscher und Soziologen haben festgestellt, daß gerade die Betriebe, in denen Hochkonjunktur Überstundenarbeit notwendig macht, eine besondere Anziehungskraft auf jüngere Leute ausüben. Deshalb ließen im Ruhrgebiet Unternehmer, die Facharbeiter suchten, auf Plakaten verkünden: "Wir garantieren zwölfstündige Arbeitszeit."
Diese Arbeitsmühlen sind die Goldgruben der Bundesrepublik. Sie geben leistungsfähigen Strebern die Chance, möglichst schnell ihre materiellen Wunschziele zu erreichen: den Kauf von Motorrädern. Mopeds. Musiktruhen, Fernsehempfängern oder Wohnungseinrichtungen. In diesen Drang zur längeren Arbeitszeit platzte die Gewerkschaftsparole von der 40-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich.
Die DGB-Zentrale ließ eine Reihe von Gutachten anfertigen, die allesamt in die Erkenntnis münden, der schwer arbeitende
westdeutsche Bundesbürger habe sich bereits viel zu stark übernommen: man müsse aus Gründen der Volksgesundheit seiner Arbeitswut endlich Zügel anlegen. Die alte Faustregel "Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung, acht Stunden Schlaf" sei überholt. Von Jahr zu Jahr steige nicht nur die Zahl der Betriebsunfälle, sondern auch die Zahl der Berufskranken und Frühinvaliden, die wegen Ermüdung, Erschöpfung und zunehmender Herz- und Kreislaufstörungen nicht mehr arbeiten können. (Drei Viertel aller Renten der Invalidenversicherung, die in den Jahren 1950 bis 1952 neu bewilligt wurden, werden an Menschen unter 65 Jahren gezahlt.) Der moderne technische Betrieb strapaziere zwar weniger die Muskeln, aber dafür um so mehr die Nerven. Er verlange mehr Konzentrationsfähigkeit und Intelligenz.
Dazu der Münchner Universitätsprofessor Dr. Walter Seitz: "Die Monotonie der Maschine stimmt nicht mit dem menschlichen Arbeitsrhythmus überein, sie widerspricht seinem Wesen, sie ist unmenschlich ... Weil die moderne Arbeit einseitig ist, erfüllt sie den Menschen nicht mehr. Zwischen ihr und einer freien Tätigkeit ist der gleiche Unterschied wie zwischen einem Gepäckmarsch und einer Wanderung. Viele Menschen kommen zu mir, die ihre Spannkraft verloren haben." Ein verlängertes Wochenende würde jedenfalls - so meint Professor Seitz - dazu beitragen, die Spannkraft wieder zu wecken. Während der längeren Freizeit könne jeder einem Hobby nachgehen und ein bißchen mehr Persönlichkeit entfalten - und wenn er nur Wasserflöhe züchte oder mit der elektrischen Eisenbahn spiele.
Die Gefahr, daß manche Leichtfinken nach einem ausgedehnten Wochenende erst
recht müde zur Arbeit kommen, ist nach amerikanischen Erfahrungen außerordentlich gering. In Amerika wird seit Anfang der dreißiger Jahre die 40-Stunden-Woche praktiziert. Die amerikanischen Gewerkschaften fordern jetzt sogar schon die Einführung der 32-Stunden-Woche*). Das lange Wochenende hat viele Millionen Amerikaner zu Gärtnern, Amateurmalern, Bastlern und Wandervögeln gemacht.
So entstand in den USA eine "Mach alles selbst"-Bewegung. Sie hat den Umsatz von Werkzeugen, Anstrichfarben und Gartengeräten enorm erhöht. Die Mußezeit hat aber auch die Mode und das soziale Leben revolutioniert. Zum Wochenende übernehmen die Reichen die Mode der ärmeren Schichten. Letzter Schrei der Freizeitkluft ist eine Mischung von Baskenhemd und Drillichhose.
Aus ihren Träumen von diesem Idyll wurden die deutschen Arbeitszeit-Reformatoren bereits im vergangenen Jahr durch die energische Ablehnung der Arbeitgeberverbände und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie aufgeschreckt: "Die Einführung der 40-Stunden-Woche bei gleichem Lohn würde eine Erhöhung des Stundenlohnes (um 20 Prozent), die Senkung des gesamten Arbeitsergebnisses, eine Steigerung der Herstellungskosten und eine Verminderung der verfügbaren Konsumgüter bedeuten. Die verkürzte Arbeitszeit wird in der Regel nicht durch höhere Arbeitsleistung wettgemacht werden."
Nun haben allerdings zahlreiche Betriebe, die aus Gründen der Konjunktur oder aus internen betriebswirtschaftlichen Gründen schon vor Jahren ihre Arbeitszeit reduzierten, durchaus gute Erfahrungen mit einer Übergangslösung, der Fünf-Tage-Woche, gesammelt. Die bisherige wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden wurde auf fünf Tage zusammengedrängt und allmählich um einige Stunden vermindert. Den Anfang machte Baden-Württemberg. Die Industriearbeiter haben dort besonders lange Anfahrtstrecken, weil sie zum großen Teil noch auf dem Lande wohnen, wo sie in der Freizeit ihre Miniaturäcker bestellen. Tradition und verkehrstechnische Schwierigkeiten ließen es deshalb geraten erscheinen, die Leute nur fünfmal in der Woche an die Werkbank zu holen. Nach einer Repräsentativ-Erhebung des Stuttgarter Landesarbeitsministeriums arbeiten 60 Prozent aller Betriebe in Baden-Württemberg, darunter Bosch, Daimler-Benz, die Maggi-Werke und Zeiß-Ikon, kürzer als 48 Stunden.
Aber es gibt in der Bundesrepublik auch sonst noch eine Reihe von Großbetrieben, die ähnlich verfahren, zum Beispiel die Firma Ford, die schon seit 1928 die 40-Stunden-Woche praktiziert (allerdings nicht mit vollem Lohnausgleich nach gewerkschaftlichem Muster), ferner die Zigarettenfabrik Brinkmann in Bremen und die Bielefelder Werkzeugmaschinenfabrik Gildemeister & Comp. AG. Sagt der Direktor dieses Großbetriebes, K. B. Grautoff: "Wirtschaftlich gesehen war für uns der Sonnabendvormittag ausgesprochen ungünstig. Die Leute begannen um sieben Uhr. Wenn sie gerade in Schwung waren, kam die Frühstückspause. Nachher fing man gar nicht mehr richtig an, sondern begann mit dem Maschinenputzen, und dann war bald Schluß. Deshalb führten wir im Januar 1954 die Fünf-Tage-Woche ein."
Grautoffs Belegschaft arbeitet jetzt neuneinhalb Stunden pro Tag (wöchentlich 47,5 Stunden). Die Arbeiter und Angestellten verlassen jedoch die Fabrik nur eine Viertelstunde später als vor der Arbeitszeitänderung, weil sie sich nämlich jetzt mit einer viertelstündigen Frühstückspause und einer halbstündigen Mittagsrast (statt bisher zwei Stunden Gesamtpause) begnügen. Die Belegschaft opferte also täglich 90 Minuten Pause, und die Firma schießt täglich einen halben Stundenlohn je Belegschaftsmitglied zu.
Das eigentliche Problem beginnt erst dort, wo die echte 40-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich eingeführt werden soll. Dem Gewerkschaftsmodell am nächsten kommt bisher das Beispiel der Siemens-Martin-Abteilung im Hüttenwerk Oberhausen. Dort wurde die Wochenschicht seit dem 2. Januar 1953 auf 42 Stunden gesenkt, die Belegschaft erhält aber den gleichen Lohn wie früher für 53 Stunden. Außerdem zahlt der Betrieb für die zwei Stunden über der 40-Stunden-Norm noch Überstundenzuschläge.
Obwohl das Siemens-Martin-Werk eine vierte Schicht (mit etwa 200 Mann) einlegen mußte, damit die kontinuierliche Produktion nicht unterbrochen wird, verteuerten sich die Endkosten nicht, weil jetzt mehr Stahl erzeugt wird.
Die Industriegewerkschaft Metall ließ die Siemens-Martin-Leute in Oberhausen genau testen. Nach einem Jahr längerer Wochenendruhe hatten sie durchschnittlich vier Pfund zugenommen. Entscheidender war aber das seelische Gleichgewicht. Die Gewerkschaftsfunktionäre diagnostizierten:
▷ Weniger Reibungen im Betrieb,
▷ Rückgang der Krankenziffer um 30 Prozent,
▷ Senkung der Unfallquote auf fast die Hälfte,
▷ stärkerer Kirchenbesuch (um 90 Prozent gestiegen).
Und dann noch ein spezieller Test für den Familienminister Wuermeling: 58 Prozent der Befragten behaupteten, jetzt ein besseres und fruchtbareres Eheleben zu führen.
Dieser Test ist aber nur beiläufig interessant. Auch die Spitzenfunktionäre des DGB sehen ein, daß sie nicht nach dem Beispiel Oberhausen die gesamte westdeutsche Wirtschaft umkrempeln können. Das Siemens-Martin-Werk ist ein lukrativer Teilbetrieb der Grundstoffindustrie, der großzügiger verfahren kann als zum Beispiel eine Tuchweberei in Aachen. Die Arbeitszeit-Strategen der Gewerkschaften haben deshalb einen Dreijahresplan ausgebrütet, der einen Abbau der Arbeitszeit in drei Etappen vorsieht: im ersten Jahr um drei Stunden, in den nächsten beiden Jahren um je zweieinhalb Stunden wöchentlich.
Theoretisch ist dieser Drei-Phasen-Plan auf den bisherigen Anstieg der Produktivität abgestimmt. In den letzten vier Jahren ist nämlich die durchschnittliche Arbeitsleistung um jährlich sieben Prozent angestiegen. Ginge diese Entwicklung weiter, so wäre auch in den nächsten drei Jahren eine Produktivitätssteigerung um etwa 20 Prozent zu erwarten. Damit könnte nach Ansicht der Gewerkschaften der Arbeitszeitausfall - der einer Lohnerhöhung um 20 Prozent gleichkommt - unbedingt verkraftet werden.
Über diese Möglichkeit diskutierte kürzlich im Bergsanatorium des Bades Harzburg zum erstenmal ein gemischtes Gremium von Betriebsdirektoren und Wissenschaftlern sehr gründlich. Außerdem
hatte die Volkswirtschaftliche Gesellschaft, Hamburg, die diese Zusammenkunft arrangierte, den Hamburger Arbeitszeit-Experten des DGB, Gerhard Kroebel, als Gewerkschafts-Sprecher eingeladen. Er rief den Unternehmern munter zu: "Mehr Mut! Haben Sie Mut zum Experiment. Haben Sie auch den Mut zu dem damit vielleicht verbundenen Risiko, das der listen- und ideenreiche Unternehmer seit Jahren mit Erfolg trägt."
Vermittelnd schaltete sich der Kieler Universitätsprofessor Dr. Heinz Haller ein: "Die Unternehmer werden nicht ohne weiteres bereit sein, den Arbeitnehmern im vollen Umfang der Produktivitätserhöhung eine Lohnsteigerung zuzugestehen. Erstens weisen sie darauf hin, daß sie nicht nur Arbeitskosten einsparen, sondern auf der anderen Seite erhöhte Kosten für die intensivere Kapitalausstattung aufbringen müßten, die den Produktivitäts-Fortschritt ermöglicht hat; zweitens rechnen sie ihren eigenen unternehmerisch-organisatorischen Leistungen einen Anteil am Produktivitätsfortschritt zu, so daß sie nur einen, allerdings ziemlich hohen Bruchteil der Produktivitätserhöhung den Arbeitnehmern zugute kommen lassen werden."
Wenn die Unternehmer gedrängt würden, meinte Professor Haller, die 40-Stunden-Woche einzuführen, dann würden sie zweifellos die Preise ihrer Produkte erhöhen. Außerdem sei zu bedenken, "daß das Produktionspotential der westdeutschen Wirtschaft in absehbarer Zeit in größerem Umfang für Verteidigungszwecke nutzbar gemacht werden muß".
Professor Haller schlug den Gewerkschaften vor, freiwillig ein längeres Stillhalteabkommen mit den Arbeitgeberverbänden zu schließen. Die Gewerkschaften sollten sich verpflichten, auf längere Sicht
keine Lohnerhöhung mehr anzumelden. Dagegen hat sich bereits die Deutsche Angestelltengewerkschaft energisch verwahrt.
Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dr. Gerhard Erdmann, 59, ärgerte sich über die Harzburger Diskussion. Er beklagte sich darüber, daß kein offizieller Vertreter des Arbeitgeberverbandes nach Harburg eingeladen worden war. Die Volkswirtschaftliche Gesellschaft hatte das offensichtlich deshalb unterlassen, weil etliche prominente Vertreter von Großbetrieben die Unternehmerschaft auf der Tagung repräsentierten. Trotzdem argwöhnt Dr. Erdmann offensichtlich, daß die Solidarität der Arbeitgeber in Harzburg einen Stoß bekommen habe.
An der Erdmannschen Kritik lag es wahrscheinlich, daß die Delegierten zweier süddeutscher Firmen nach ihrer Rückkehr aus Harzburg von den Vorständen ihrer Gesellschaften nicht gerade mit Jubel empfangen wurden. Die Delegierten hatten sich wohl etwas weit vorgewagt und von Plänen und Vorschlägen gesprochen, die nicht zum strategischen Programm des Arbeitgeberverbandes passen.
Das nächste Diskussionstreffen soll vom 12. bis 14. Mai in Heiligenhaus bei Düsseldorf stattfinden. Dort will auch der Schweizer Nationalrat Gottlieb Duttweiler, Präsident des Migros-Genossenschaftsbundes, sprechen, der in den Migros-Betrieben die 44-Stunden-Woche einführen will.
Im allgemeinen aber hat sich die Arbeitgeberdisziplin gegenüber der Gewerkschaftsdisziplin ganz gut bewährt. In Hamburg verkürzt eine große Ölraffinerie schon deshalb die Arbeitszeit nicht, weil die Arbeiter der auf demselben Industriegelände liegenden Werften dann vermutlich ebenfalls kürzere Arbeitszeit verlangen würden. Der Werftindustrie geht es jedoch keineswegs so gut wie den großen Ölgesellschaften.
Die Arbeitgeber-Solidarität ging so weit, daß sogar der als harter Sozialpraktiker bekannte Direktor der Duisburger Kupferhütte, Dr. Ernst Kuss, seinen bereits bekanntgegebenen Plan, ab 1. April den Betrieb auf 40-Stunden-Arbeitszeit umzustellen, wieder zurückzog. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Werkes, Professor Dr. Haberland, hatte ihn nachdrücklich darum gebeten. Professor Haberland ist nämlich gleichzeitig Generaldirektor der Farbenfabriken Bayer in Leverkusen, die sich angeblich eine Arbeitszeitverkürzung noch nicht leisten können. Der Großbetrieb hätte im Vollbeschäftigungsraum Köln auch schwerlich genug neue Arbeiter anwerben können, um eine sogenannte Springerschicht einzurichten, die also die Arbeitszeitlücke überspringen hilft. (Direktor Kuss von der Kupferhütte hatte sich bereits während der schärfsten Frostperiode 163 vorübergehend arbeitslose Bauarbeiter als "Springer" gesichert.)
Diese Suche nach Facharbeitern zeigt deutlich, daß die Einführung der 40-Stunden-Woche auch weitgehend von der Arbeitsmarktlage abhängig ist. Deshalb ist die unverhüllte Angst der Gewerkschaftsleitungen, die aus einem internen Informationsblatt des DGB-Landesbezirks Nordrhein-Westfalen spricht, vorläufig unbegründet. In diesem Informationsblatt heißt es:
Nur die rechtzeitige Anpassung der Arbeitszeit an den technischen Fortschritt wird die Arbeitnehmerschaft davor bewahren, daß der Moloch Rationalisierung und Technik sie existenz- und brotlos macht.
Die gewerkschaftlichen Ängste eilen der Entwicklung weit voraus. Vorläufig ist das technische Gerippe in vielen Betrieben, zum Beispiel in der Textilindustrie und auf den Werften, noch zu schwach, um die 40-Stunden-Woche ohne Produktionsverluste tragen zu können. Erst in den hochmechanisierten Betrieben wird die 40-Stunden-Woche tragbar und sinnvoll. Dort bietet sie sich sogar als sehr zweckmäßig an, weil dann alle Reparaturen und Maschinenüberholungen auf den Ruhetag verlegt werden können.
*) Außerdem wollen die amerikanischen Gewerkschaften den garantierten Jahreslohn durchsetzen, das heißt: Wer wegen Saisonschwankungen oder wegen der fortschreitenden Automatisierung überflüssig wird, soll ein ganzes Jahr lang Anspruch auf einen garantierten Mindestlohn haben, um sich in aller Ruhe einen angemessenen neuen Job suchen zu können.

DER SPIEGEL 19/1955
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