27.09.2004

FAMILIENGewalt gegen Türkinnen

Türkische Frauen in Deutschland sind häufiger Gewalt ausgesetzt als deutsche Frauen. Außerdem sind die Übergriffe auf sie schwerer und führen häufiger zu Verletzungen. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Während in der Gesamtbevölkerung 40 Prozent der Frauen schon einmal sexuelle oder körperliche Gewalt erfahren hatten, waren es in einer gesonderten kleineren Stichprobe unter Türkinnen 49 Prozent. 38 Prozent der Türkinnen gaben an, Gewalt durch ihren Partner erlebt zu haben - in der Gesamtbevölkerung waren dies nur 25 Prozent. Bei 64 Prozent der türkischen Migrantinnen war der Missbrauch so schwer, dass sie Verletzungen erlitten (im gesamten Durchschnitt 55 Prozent). Die türkischen Migrantinnen suchten genauso häufig wie deutsche Frauen Zuflucht in Frauenhäusern, so Co-Autorin Monika Schröttle.
Zudem liefert die Studie auch erste Zahlen über das Problem der Zwangsverheiratung: Ein Viertel der befragten Türkinnen hatte den eigenen Ehemann erst bei der Hochzeit kennen gelernt. Bei etwa der Hälfte der Frauen hatte die Verwandtschaft den Mann ausgesucht, die meisten gaben an, sie seien mit dieser Wahl einverstanden gewesen. Neun Prozent aller Türkinnen sagten jedoch, sie seien zu der Ehe gezwungen worden. Schröttle: "Bei jüngeren Frauen nimmt die Zahl der Zwangsehen ab."

DER SPIEGEL 40/2004
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