27.09.2004

DEUTSCHE EINHEITOdyssee im Westraum

Vor 15 Jahren verkündete Außenminister Genscher den Prager Botschaftsbesetzern, sie dürften in den Westen ausreisen. So verschieden die Wege von vier DDR-Flüchtlingen danach verlaufen sind, die historischen Tage von Prag sind Fixpunkt ihres Lebens geblieben. Von Jürgen Dahlkamp
Klar, sagt Michael Fleischman, die hat er noch, die Jacke, so eine ausgewaschene, Größe 50, aber wo hat er die noch? Im Spiegelschrank neben dem Bett auf jeden Fall nicht. Na, und im Schrank gegenüber, "ne, da isse auch nich'". Vielleicht im Keller, in einer der alten Umzugskisten, "aber die pack ich jetzt nich' alle aus".
Und so bleibt sie eben verschollen, die Jeansjacke der deutschen Einheit. Die blau marmorierte, die Fleischman trug, als er vor 15 Jahren am Zaun der bundesdeutschen Botschaft in Prag festhing. Und an seiner Jacke ein tschechoslowakischer Polizist, der ihn mit drei anderen vom Zaun wegreißen wollte, mit aller Kraft, obwohl Fleischman es doch fast geschafft hatte, rüberzumachen in die Botschaft, in die Freiheit.
Fleischman war nur einer von mehr als 16 000 Prager Botschaftsflüchtlingen, die damals die DDR ins Kippen brachten, bis sie sechs Wochen später, am 9. November 1989, nicht mehr zu halten war. Aber Fleischman war der bekannteste. Der Mann auf dem Bild, das um die Welt ging, der mit der Jeansjacke Ost, der sich 20 Minuten am Zaun festkrallte, als würde er lieber sterben als loslassen. Bis endlich der Botschaftsmann Michael Steiner kam und die Polizisten so anblaffte, dass sie sich trollten.
Das also ist jetzt in dieser Woche genau 15 Jahre her. 15 Jahre, dass Michael Fleischman seinen Traum vom Westen festgehalten hat. Auch 15 Jahre, dass Ramona Kreft am 30. September 1989 nur ein paar Meter seitlich von Außenminister Hans-Dietrich Genscher stand, bei seiner Rede auf dem Botschaftsbalkon. Und dass Günter Malchow und Wolfram Richter unten im Garten auf Genschers historischen Halbsatz warteten: "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ...", den Rest verschluckt der Jubel. Es ist 15 Jahre her, dass Fleischman, Malchow, Kreft und Richter es über Prag in den Westen schafften, und 15 Jahre, dass sie ihr Leben in jene große Lotterietrommel der deutschen Einheit warfen, die anschließend das Schicksal von 17 Millionen Ostdeutschen durcheinander wirbeln sollte.
Für zwei von ihnen war es ein Glückslos, für die beiden anderen irgendetwas zwischen Niete und Trostpreis. Eines aber unterscheidet diese vier von den vielen Millionen mit dem Wendebruch im Leben: Die Tage in Prag haben ihnen bis heute das Gänsehaut-Gefühl jener Zeit eingeimpft, als die Deutschen das Glück der Einheit noch fassen konnten, mit beiden Händen, und als das Glück noch nicht verloren war. Wie Fleischmans Jacke.
DER OPTIMIST
"Ich bin ja nich' größer als 'n Dackel", sagt Fleischman, 49, mit dieser Berliner Klappe, die nichts verschont, nicht mal sich selbst. Als er damals auf den Zaun zurannte, 1,75 Meter Fleischman gegen drei Meter Zaun, da hat er gleich gewusst, dass er nicht hinüberkommt. Viel zu hoch; noch dazu die Schupos, die er bei seinem Spurt zum Zaun auf der Rückseite der Botschaft aus dem Weg gerammt hatte: Die "ham mir am Arsch geklebt", und "richtig stinkig" waren die auch. Zeit zum Aufgeben.
Aber wenn er seine stämmige Statur schon mit der eines zu kurz gekommenen Hundes vergleicht, dann ist dieser Michael Fleischman, Stiernacken und Breitkreuz, in Wahrheit eher ein Bullterrier-Typ. Robust, zäh, verbissen, einer, der erst gar nicht darüber nachdenkt, wie seine Chancen stehen, weil er nicht mal darüber nachdenkt, ob er überhaupt eine Chance hat.
Damals, an jenem 2. Oktober 1989, als die ersten 4000 Flüchtlinge nach Genschers Balkonrede gerade ausgereist waren und die Prager Botschaft schon wieder voll lief mit neuen DDR-Abtrünnigen, da hat ihn dieses sture Durchhalten am Zaun gerettet. Und in den 15 Jahren danach erst recht. Die waren auch so ein Durchhalten, Festhalten, Aushalten. Für ihn heute der Beweis, dass sich die Anstrengung lohnt, das Risiko, der Wille, eben alles, was für ihn den Westen ausmacht. Jenen Teil Deutschlands, den er jetzt auch nie mehr verlassen will, selbst wenn sein Westen Reinickendorf heißt und nur zwei Kilometer von der Wohnung in Prenzlauer Berg entfernt liegt, aus der er 1989 abgehauen ist.
Fleischman sitzt in seiner Küche und pafft Pall Mall. Er kommt gerade von einer Tour; für eine Firma im nordrheinwestfälischen Moers verkauft er Spezialkleber für die Industrie,
besser gesagt, er lässt verkaufen: Fleischman schult die Vertriebler, die den Ostteil der Republik beackern sollen. Das bringt ihn auf 50 000 Kilometer im Jahr mit seinem schwarzen Skoda Octavia und auf ein Gehalt, von dem man leben kann, wenn drei Zimmer genug sind und es auch ein Fernseher der Marke "Imperial" sein darf.
Auf der Anrichte steht ein Backblech, seine zweite Frau Urszula, eine gebürtige Polin, hat Apfelkuchen gemacht, das kann sie ziemlich gut. Außerdem hat sie auch noch eine Tierarztpraxis drüben in Prenzlauer Berg, und überhaupt findet Fleischman, dass er es doch sehr passabel getroffen hat, nach dem, was er alles so erlebt hat.
Das Erste, was er im Westen erlebte, war die "Bild"-Zeitung. Die hatte ihn in einem Übergangslager im bayerischen Deggendorf gesucht, und als sie den "Mann vom Zaun" tatsächlich aufgegabelt hatte, brachte sie Fleischman in ein Hotel, drückte ihm einen Hunderter in die Hand und ließ sich eine Quittung geben. Dachte Fleischman. "Tatsächlich hatte ich alle Rechte an den Bildern verkauft", sagt er, "damit ist bestimmt richtig Kohle gemacht worden."
Dann die Sache mit dem Spediteur aus Süddeutschland: Den hatte er noch im Osten kennen gelernt, in einer Kneipe, und der Spediteur hatte ihm gesagt, "wenn du mal rüberkommst, kannst du bei mir anfangen". Fleischman, der nach einer Maurerlehre jahrelang mit dem Kühllaster Schweine- und Rinderhälften ausgeliefert hatte, fuhr gleich hin; er kam nicht mal über die Türschwelle.
Schließlich arbeitete er als Kaufhausdetektiv in Berlin, für zehn Mark die Stunde. Das war für den Anfang ganz gut, aber gut ging es nur zwei Jahre, dann war die Detektei am Ende. Er fuhr Glasscheiben aus, er bekam einen Bandscheibenvorfall - etwas, was der schwarzrotgoldene Westen gar nicht gebrauchen konnte: Bandscheibenvorfall - Fleischman wurde arbeitslos, eineinhalb Jahre lang. Und als er sich aufgerappelt hatte, war er da angekommen, wo der Kapitalismus seine Zähne zeigt, vorzugsweise mit geblecktem Lächeln: beim Verkauf von Kochtöpfen. Dreieinhalb Jahre lang Vertreter, und immer nur "Verkaufst du was, hast du was". Oder eben nicht.
"Ich hab alles mitgemacht, von A bis Z", sagt Fleischman, eingeschlossen das
"P" für jenen Pleite-Unternehmer, für den er gern weiter einen 40-Tonner gefahren wäre, wenn der Mann dafür am Ende des Monats auch mal ein Gehalt überwiesen hätte. Und nach all dem hat er dann doch tatsächlich die Stelle bei der Firma in Moers bekommen, vor vier Jahren, mit 45, eine Festanstellung, noch dazu mit Karrierechance. Es war die Sorte Glück, die er sich sauer verdient hatte und die Fleischman nun endgültig daran glauben lässt, dass der Westen es doch gut meint mit allen, die nur bereit sind, die härtesten, die holprigsten, die hoffnungslosesten Wege zu gehen.
"Mir geht's besser als früher in der DDR, aber nur, weil ich was dafür getan habe", sagt er. Wenn er deshalb für eines nichts übrig hat, dann für Menschen aus dem Osten, die mehr klagen als wagen. "Jeder kann was aus sich machen", ist dann schon mal so ein Satz von ihm, der klingt, als hätte er den Westen erfunden. Oder der, dass "wir in einer Leistungsgesellschaft leben" und "mir auch keiner was schenkt". Da hört er sich harsch und hart an, abgebrüht von tausend Kochtöpfen, und wer erwartet deshalb schon so was, wenn Michael Fleischman von Prag spricht, von den 20 Minuten am Zaun: dass seine Stimme zittert, seine Augen nass werden, dass er einfach nichts dagegen tun kann, beim Gedanken an Prag immer gleich die Fassung zu verlieren.
DIE ABGEKÄMPFTE
Ihre Odyssee im Westraum begann 1989, dem Jahr, in dem sie Kontakt aufnahm mit einer Welt, die ihr alles bieten würde, was man ihr in Hoyerswerda verboten hatte. Verboten war in Hoyerswerda zum Beispiel die selbst geschneiderte Umhängetasche, auf die Ramona Kreft mit Filzer "Kiss" und "Bay City Rollers" draufgeschrieben hatte. Wegen der musste sie dann in der Wilhelm-Pieck-Oberschule 11 zur Direktorin, und die Direktorin sagte: "Die Polizei will sich mit dir unterhalten." Und die Polizei sagte, dass sie sich distanzieren solle, aber erst mal solle sie sich gerade hinstellen, für die Fotos. Eins von rechts, eins von links, eins von vorn. Die Tasche sah sie natürlich nie wieder.
Am 27. September 1989 kletterte Ramona Kreft in Prag über den Botschaftszaun, drei Tage später stand sie oben am Fenster zum Balkon, ein paar Meter seitlich von Hans-Dietrich Genscher, der ihr mit einem halben Satz eine ganze Welt eröffnete; was für ein seliger Augenblick! Und heute sitzt sie hinter Ludwigshafen in einem Dorf in der Pfalz, Carlsberg heißt das Dorf, und ist arbeitslos. "Es hätte sicher besser laufen können", sagt sie. Lief es aber nicht.
Was sie bis zu ihrer Flucht vom Westen gekannt hatte, das kannte sie vor allem aus den Paketen der Verwandtschaft. Der Westen schickte Barbiepuppen mit türkisfarbenen Spitzenkleidchen und Cordanzüge von "Lee" in Braun und Hellblau. Der Westen war bunt, der Osten grau, und 1982, mit 21 Jahren, beschloss die gelernte Industriekauffrau Ramona Kreft, mehr Farbe in ihr Leben zu bringen: Sie stellte einen Ausreiseantrag.
Was kam, war die bleigraue Zeit. Der Antrag wurde abgelehnt. Ihr Chef in der LPG begrapschte sie; beschweren könne sie sich ja doch nirgendwo mehr, sagte der. Die Mutter, die auch ausreisen wollte, saß fast ein Jahr im Knast, bevor sie 1987 freigekauft wurde. Und der Visumsantrag, den Ramona Kreft im Mai 1989 für Ungarn stellte - chancenlos.
Und deshalb blieb Kreft, inzwischen allein erziehende Mutter einer einjährigen Tochter, nur Prag, die CSSR, das letzte Land, in das DDR-Bürger noch ohne Visum fahren durften. Prag war das Nadelöhr, und das Nadelöhr war offen, sie sah die Flüchtlinge in der Botschaft jeden Abend im Westfernsehen.
In Carlsberg scheint die Sonne, aber Kreft, heute 42, bekommt wieder diese Gänsehaut, wenn sie an die Botschaft denkt, den Regen, den Matsch, das stundenlange Anstehen, fürs Essen, vor den zwölf Toiletten, und an den Moment mit Genscher. "Ich bin wirklich nicht nah am Wasser gebaut, aber ich hab nur noch geheult", da nahm dann Genscher ihren Arm, und vermutlich ist das einer dieser Momente, so großartig, dass man sich kaum vorstellen will, wie banal das Leben danach weitergehen kann.
Im Westen geht sie zuerst zu einem Catering-Service nach Offenbach,
aber Ehrgeiz hatte sie schon immer, im Osten reichte der so weit, dass sie sich sogar für Sibirien gemeldet hatte, für die Baustelle einer Gaspipeline. Jetzt will sie also Geschäftsfrau werden, infiziert von der Idee der schnellen Mark, wer ist das damals nicht? Sie kauft in Frankfurt am Main bunte Jogginganzüge aus Ballonseide, verkauft sie mit einem Cousin in Plauen, sie mietet sogar eine Lagerhalle, aber es geht nicht lange gut. Dann fährt sie mit dem Wohnmobil von Markt zu Markt - Dessous, Schreibwaren, Parfums -, dann sortiert sie Zeitungen bei einem Großhändler, wird Büroaushilfe, macht einen Gabelstaplerführerschein, und plötzlich bekommt sie eine Stelle als Projektleiterin für das Befüllen von Verkaufskartons, mit Ware von Wella, Procter & Gamble oder Birkel. Mit ihrer Tochter Elisa-Marie zieht sie dafür von Firma zu Firma, und wenn sie heute die Wohnorte der vergangenen 15 Jahre an den Fingern zusammenzählt, kommt sie auf neun.
Endstation Carlsberg. Als sie vor drei Jahren den zehnten Umzug nicht mehr machen wollte, verlor sie die Arbeit, dann hatte sie eine Operation, und was nun noch kommt, sie weiß es nicht. Es fällt ihr nicht leicht, schon wieder von vorn anzufangen, die wenigen Angebote waren bisher auch nicht so, dass solchen Anfängen noch ein Zauber innewohnen würde. Da kann sie genauso gut weiter jeden Morgen von vier bis sechs Brötchen ausfahren, für 165 Euro zusätzlich zum Geld vom Arbeitsamt.
"Irgendwas muss es noch geben, das kann nicht alles gewesen sein", hofft Kreft. Die Ungewissheit ist zermürbend, andererseits war es in der DDR gerade die Vorhersehbarkeit gewesen, vor der sie weggelaufen ist, deshalb beschwert sie sich auch nicht. "Ich weiß, ich finde noch was", sagt sie trotzig, und so schlecht ist das Leben ja auch wieder nicht, nicht mal in der Provinz, wenn man an einer ruhigen Straße wohnt, mit viel Grün drum herum, vor allem aber zusammen mit Elisa-Marie, 16, die aufs Gymnasium geht, und mit einem Auto, alt, aber schnell, um in die nächste Stadt zu kommen. Vielleicht ist das Problem auch einfach nur, dass sie sich so viel mehr gewünscht hatte und dass es ziemlich schwer ist, sich mit weniger als dem Wunderbaren abzufinden, wenn es damit begonnen hatte, dass man am 30. September 1989 selbst ein Wunder erlebt hat.
DER ZUFRIEDENE UND DER VERUNSICHERTE
Es waren nur ein paar Meter, die sie damals trennten, Günter Malchow und Wolfram Richter, im Garten des Palais Lobkowicz. Heute ist Malchow ein Mann, der von sich sagt, dass es nicht viel besser hätte laufen können, und Richter fragt sich, an welchem Abzweig seines Lebens er den falschen Weg genommen hat, einen steinigen, der ihm nun alles abverlangt, damit es für ihn noch irgendwie vorangeht.
Der Ingenieur Malchow, 51, aus dem thüringischen Bad Blankenburg ist im Westen angekommen, in Ammerthal, Bayern, einem Dorf in der Nähe von Amberg, in dem Anstand und Wohlstand noch so verbreitet sind, dass die Tür der Kirche St. Nikolaus tagsüber offen steht und hinter der Tür eine neue Orgel für 280 000 Euro. Malchows Frau Christel, die damals mit ihm über Prag floh, ist Teilhaberin einer Hautarztpraxis, die Tochter Ergotherapeutin mit fester Stelle, der Sohn studiert auf Lehramt.
Über Malchows Berufsleben lässt sich eigentlich nicht viel mehr sagen, als dass er zwei Monate nach der Flucht ein Vorstellungsgespräch bei einer Firma für Medizintechnik in Lübeck hatte, die Stelle bekam und blieb. Vertrieb, Planung und Einbau von Narkosegasanlagen in Krankenhäusern und Arztpraxen, zuständig für das südöstliche Bayern. "Es hat sich alles wunderbar gefügt", sagt er; die roten Socken, die er mal zu Weihnachten von der Betriebssportgemeinschaft geschenkt bekommen hat, waren nur ein Scherz, über den er selbst am meisten lachen konnte.
Auch Wolfram Richter, 47, fand eine Stelle, als Architekt in Gießen, und eine Heimat: Herborn. Dass er jeden Tag fast 80 Kilometer fahren musste, machte ihm nichts; er hat heute noch Freunde in Herborn. Dann aber starb der Vater, Richter musste sich um die Mutter zu Hause in Dresden sorgen, und seit er dort 2002 seine neue Stelle verlor, wegen der schlechten Auftragslage, ist er selbst zum Sorgenfall geworden. In die Selbständigkeit gezwungen, reicht es kaum zum Leben; hätte seine Frau keine Arbeit, würde es überhaupt nicht reichen, nicht für vier Köpfe. "Ein harter Kampf", sagt er, und: "Sehr schwierig, den Fuß in die Tür zu bekommen."
Richter im Osten könnte also enttäuscht und verbittert sein, Malchow im Westen großspurig und selbstgerecht. In Wirklichkeit aber spricht aus beiden die gleiche demütige Dankbarkeit für die Chance von Prag, so als hätte die Weltstunde des 30. September 1989 den Blick der Botschaftsflüchtlinge für alle Zeiten weiter werden lassen. Sooft Malchow dann beim Erzählen die Stimme stockt, so oft laufen Richter "kalte Schauer den Rücken herunter", wenn er an damals denkt.
Nicht Richter, nicht Malchow lässt es deshalb unberührt, wenn sie sehen, dass nach den Flitterwochen der Republik im Herbst 1989 eine ziemlich graue Ehe zwischen Ost und West folgte. Dass die "beiden Teile heute eher wieder auseinander driften", wie Malchow befürchtet. Dass jeder fünfte Deutsche die Mauer wiederhaben will, was Richter zum "Verrücktwerden" findet. Dass im Westen schon Verlustängste entstehen, weil man sich beim nächsten Mal vielleicht ein kleineres Auto kaufen müsste. Und dass man im Osten schon wieder so weit ist, dass man den Westen nur noch abschrecken will, mit Stimmen für die PDS und die NPD.
"Es war ein Glück, dass wir damals in Prag entscheidend zur Deutschen Einheit beitragen konnten", sagt Malchow, und Richter sagt, dass er immer noch "stolz darauf" ist, was sie damals geschafft haben. Egal, was danach auch kam. Und egal, ob für ihn jetzt noch etwas kommen wird. Prag, das bleibt.
Von Jürgen Dahlkamp

DER SPIEGEL 40/2004
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