27.09.2004

JUSTIZIm Schatten des Saubermanns

Firmen gehen Pleite, Staatsanwälte ermitteln: Michael Schumachers Manager Willi Weber gerät unter Druck.
Der Sonntag vor vier Wochen war ein Tag, wie ihn Willi Weber liebt. Formel-1-Star Michael Schumacher kurvte auf dem Weg zur Weltmeisterschaft fast allen davon, und Weber, sein Manager, durfte mal wieder zeigen, dass er an alles denkt.
Die Musik? Die Band "Die Willis" aus Schumachers Heimatstadt Kerpen stehe bereit, sagte Weber. Das Freibier für die Fans? Der Lkw sei schon aus Deutschland unterwegs, verkündete Weber im belgischen Spa. Überhaupt freute er sich, "dass in diesem Jahr alles so perfekt läuft".
Wenn er sich da mal nicht irrt. Das Jahr, das Ferrari und Schumacher tatsächlich nichts als Erfolg bringt, könnte für den Macher im Hintergrund noch böse enden. Ehemalige Geschäftspartner erheben schwere Vorwürfe gegen Weber - und Stuttgarter Staatsanwälte ermitteln gegen ihn. Der Vorwurf: Anstiftung zur Falschaussage.
Weber, 62, ist im Windschatten des Saubermanns Schumacher zu Ruhm und Ehre und sehr viel Geld gekommen. "Ich fahre, den Rest macht Willi", hat Schumacher einmal die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Gebrauchtwagenhändler beschrieben.
Bereits 1988 kümmerte sich Weber um den Rennfahrer. Damals schloss Weber auch einen Vertrag mit dem Sportjournalisten Burkhard Nuppeney, der einen anderen Nachwuchsfahrer vermarktete, das Kölner Talent Frank Schmickler. Die Provisionen wollten Weber und Nuppeney teilen. Doch als dann allein Schumacher die wirklich lohnenden Siege einfuhr, zahlte Weber nur schleppend an seinen Vertragspartner.
Nuppeney klagte auf seine Hälfte - rund 35 Millionen Mark - und erhielt 1998 zunächst Recht. In der zweiten Instanz, vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, sagten Zeugen aber plötzlich im Sinne Webers aus, der Vertrag mit Nuppeney sei 1990 einvernehmlich aufgelöst worden.
Diese Angaben aber erscheinen zweifelhaft: Gegen einen Zeugen ermittelt die Staatsanwaltschaft noch, einen anderen verurteilte das Amtsgericht Stuttgart bereits im Juni wegen Falschaussage zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung und 10 000 Euro Geldbuße; Staatsanwalt und Angeklagter haben Berufung eingelegt.
Redeten die Zeugen auf Geheiß Webers? Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit, ob Weber den verurteilten Zeugen zu der Aussage angestiftet hat, möglicherweise mit Geld. Weber wollte zu den Vorwürfen auf SPIEGEL-Anfrage "nicht im Detail eingehen".
Von der "tollen Harmonie und super Stimmung" jedenfalls, von der Weber noch in Spa schwärmte, könnte schon bald nichts mehr zu spüren sein - zumal weitere Transaktionen Webers dubios erscheinen. Es geht um das Lizenzgeschäft, also um die Mützen des Meisters und andere Ferrari-rote Fanartikel wie Teddybären und T-Shirts.
Die Stuttgarter PPM Pole Position Marketing GmbH - alleiniger Gesellschafter: Willi Weber - hatte einer Firma im rheinland-pfälzischen Dierdorf die Lizenz erteilt, die Mützen zu vertreiben. Diese Firma ging Ende 2001 Pleite. Doch noch kurz nach dem Liquidationsbeschluss lieferte sie Mützen, T-Shirts und andere Ware nach Stuttgart - ohne dass die Weber-Firma die Rechnung bezahlte.
Gläubiger der Dierdorfer Firma meinen, das Geld stehe ihnen zu. Vor Gericht brachten PPM-Vertreter zwar vor, dass das Dierdorfer Partnerunternehmen ihnen noch Lizenzgebühren geschuldet habe und die Warenlieferung deshalb in Ordnung gehe. Doch das Landgericht Koblenz stellte im Mai klar: Die Verrechnung "Ware gegen Lizenzgebühren" sei nicht möglich, PPM habe vielmehr zu zahlen, genau 1 190 466,60 Euro plus Zinsen; gegen das Urteil ist Berufung eingelegt worden.
Nur: Die Gläubiger könnten auch bei einem Sieg leer ausgehen. Denn kurz nach dem Urteil ging die Weber-Firma PPM Bankrott. Auf dem Firmenkonto fanden sich nur noch rund 72 500 Euro, das Insolvenzverfahren läuft.
Das Geld ist weg, die Fragen bleiben: In der Bilanz von Webers Pleitefirma für das Jahr 2002 etwa fehlt die Millionensumme für die Mützen, die bei einer Niederlage vor Gericht zu zahlen wäre. Für solche ungewissen Verbindlichkeiten aber müssen Firmen laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs Rückstellungen bilden.
Merkwürdig auch: Im April 2002 - im selben Monat, in dem die Dierdorfer Gläubiger ihre Millionenklage gegen Webers Firma einreichten - wurde in Stuttgart ein neues Unternehmen in der Branche gegründet. Dessen Geschäftstätigkeit ist, ausgerechnet, das Lizenzgeschäft für Michael und seinen Bruder Ralf Schumacher. Weber legt Wert darauf, dass er nicht "als Gesellschafter, Geschäftsführer oder anderweitig gesellschaftsrechtlich in diese Firma eingebunden" sei.
Aber die Geschäftsführerin kennt er gut: Es ist seine Tochter. FELIX KURZ,
MARKUS VERBEET
Von Felix Kurz und Markus Verbeet

DER SPIEGEL 40/2004
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