27.09.2004

STROMNeue Steag-Strategie

Mitten in den Verhandlungen mit RWE über einen millionenschweren Einstieg des Essener Versorgungsunternehmens bei der Ruhrkohle-Stromtochter Steag hat RAG-Chef Werner Müller seinen Verhandlungskurs geändert. Entgegen einem im Mai unterzeichneten Eckpunktepapier soll die Steag künftig nicht nur Kraftwerke betreiben und Strom für große Energieversorger bereitstellen. Unter der Leitung des ehemaligen Staatssekretärs Alfred Tacke, den Müller vor drei Wochen anheuerte, soll das Unternehmen zu einem Stromversorger mit eigenem Vertrieb ausgebaut werden, der auch Industriekunden beliefern könnte. Bei RWE trafen Müllers Überlegungen auf wenig Gegenliebe. Zwar war die Aussicht verlockend, sich über den Kauf einer etwa 25-prozentigen Beteiligung an der Steag langfristig Kraftwerkskapazitäten zu sichern. Damit gleichzeitig einen künftigen Konkurrenten zu fördern schien den RWE-Managern jedoch widersinnig. Die Folge: Die Verhandlungen standen auf der Kippe. Erst nach intensiven Gesprächen zwischen Müller und RWE-Vorständen in der vorigen Woche scheint ein Abschluss wieder wahrscheinlich. Der mögliche Kompromiss entspricht dem üblichen Geschäftsgebaren der Stromwirtschaft: Bei der Kundensuche könnte Steag das RWE-Versorgungsgebiet einfach aussparen.

DER SPIEGEL 40/2004
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