27.09.2004

USAEnorme Zuversicht

Der amerikanische Präsident George W. Bush geht davon aus, dass er am 2. November nicht nur wiedergewählt werden wird, sondern seiner Republikanischen Partei auch eine noch größere Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus bescheren kann. Das sagt Präsidentenberater Karl Rove in einem Interview mit der "Washington Times" voraus. Rove wird "Bushs Gehirn" genannt, er organisierte dessen Wahlkämpfe schon in Texas und gibt äußerst selten Interviews. Dass er knapp sechs Wochen vor dem Wahltag eine Ausnahme machte und auch noch mit großer Geste Prognosen abgibt, spricht für die enorme Zuversicht im Lager des Präsidenten.
Im Senat verfügen die Republikaner momentan über eine knappe Mehrheit von 51:49, im Repräsentantenhaus haben sie 23 Sitze mehr als die Demokraten. Rove nannte als Indiz für den Pessimismus der Demokraten, dass sich Kerry aus mehreren der so genannten Swing-Staaten zurückgezogen habe, weil er keine Chance auf Sieg dort sehe. Tatsächlich hat die Kerry-Kampagne vorige Woche TV-Spots in Arizona, Arkansas, Louisiana und Missouri gestrichen.
Die Demokraten konzentrieren ihre Mittel nun auf 13 Staaten: In 9 davon - Maine, Pennsylvania, Michigan, Wisconsin, Minnesota, Iowa, New Mexico, Oregon und Washington - hatte vor vier Jahren Al Gore gewonnen, in den 4 anderen - Ohio, Florida, New Hampshire und Nevada - hingegen hatte Bush triumphiert. Bleibt es bei dieser Verteilung, ist Bush das Weiße Haus nicht zu nehmen.
Indes zogen sich die beiden Kontrahenten am vorigen Wochenende vom Wahlkampf zurück, um sich auf die erste von drei Debatten vorzubereiten, die an diesem Donnerstag in Miami stattfinden wird. Dabei schätzt Bush-Berater Rove den demokratischen Herausforderer als gefährlich ein: "Er wird der Beste sein, mit dem der Präsident je diskutiert hat", sagte er. Die Meinungsforschungsinstitute geben derzeit stark abweichende Prognosen für den 2. November ab: Die einen sehen Bush mit elf Prozentpunkten vorn, andere halten das Rennen für offen. Traditionell aber geben erst die Debatten Aufschluss über die wirkliche Stimmung in Amerika.

DER SPIEGEL 40/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 40/2004
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

USA:
Enorme Zuversicht

  • Queen's Speech: Elizabeth II. verliest Johnsons Pläne
  • Stillgelegtes Kraftwerk: Vier Kühltürme gleichzeitig gesprengt
  • Brexit-Angst auf Rügen: Kein Deal, kein Fisch
  • Hightech-Mode für Gehörlose: Musik fühlen statt hören