27.09.2004

WESTAFRIKAFinsteres Treiben

Selbst ein Jahr nach seiner Flucht ins nigerianische Exil treibt Liberias Ex-Diktator Charles Taylor immer noch sein Unwesen in Westafrika. So sollen derzeit ehemalige Kombattanten des Schlächters rekrutiert werden, um das Nachbarland Guinea in einen Bürgerkrieg zu stürzen. Jeder von Taylors Mordgesellen bekomme ein Handgeld von 150 bis 200 Dollar, trainiert würden sie in einem Lager, versteckt im guineischen Regenwald, berichten ehemalige Taylor-Soldaten. Auch dem Chefankläger David Crane beim Kriegsverbrechertribunal im benachbarten Sierra Leone liegen Informationen über Taylors Wirken vor. Dieser mische "sich immer noch in liberianische Angelegenheiten ein". Der dortige Entwaffnungsprozess geht nur sehr schleppend voran. Der Staatsanwalt verlangt Taylors Auslieferung nach Freetown. Ob das allerdings geschieht, ist fraglich.
Nigerias Präsident Olusegun Obansanjo hatte dem Diktator seinerzeit eine sichere Bleibe versprochen, wenn dieser seine Macht kampflos abgeben würde. Ein Bruch dieser Vereinbarung könnte das falsche Signal an andere Potentaten sein. "Wenn Taylor ausgeliefert wird", argumentiert Mike McGovern von der International Crisis Group, "gibt es keinen Grund mehr für andere afrikanische Führer, Asylangebote zu akzeptieren. Menschen wie Charles Taylor würden in der Zukunft bis zum Tod kämpfen."

DER SPIEGEL 40/2004
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