27.09.2004

INDIENSchöner Himmelsvogel

Ein 1,95 Tonnen schwerer Satellit soll das indische Bildungssystem verbessern. "Edusat" wurde am vergangenen Montag auf eine geostationäre Umlaufbahn in 36 000 Kilometer Höhe befördert, um strukturelle Mängel auf Erden zu beheben: Viele Schulen des Subkontinents befinden sich in abgelegenen Gebieten, die Lehrer haben kaum Kontakt zu Kollegen oder die Möglichkeit, sich fortzubilden. Anderswo gibt es gar keinen Unterricht. Der Satellit wird solche Problemzonen künftig über zwölf Kommunikationsbänder vernetzen. "Edusat ist ein wunderschöner Himmelsvogel, der Bildung verbreitet", schwärmt P. S. Goel, Direktor des Weltraumbahnhofs Sriharikota Island 80 Kilometer nördlich der Stadt Madras (Chennai). Von dort gelangte der Trabant ins All.
Wenn die Technik funktioniert, wird Edusat Verbindung zu mehr als 1000 Schulen aufnehmen. Drei Jahre dauerte die Bauzeit des 16 Millionen Euro teuren Hightech-Geräts. Sieben Jahre beträgt voraussichtlich seine Lebensdauer. Die Bildungsdefizite des Milliardenvolkes, von dem 72 Prozent noch in Dörfern wohnen, sind in dieser kurzen Spanne allerdings nicht zu beheben. Noch immer können 31 Prozent aller Männer und 54 Prozent der Frauen weder lesen noch schreiben. Experten sagen, dass pro Jahr eigentlich 10 000 neue Schulen gebaut werden müssten - doch das ist unrealistisch. Die Alternative sind virtuelle Klassenzimmer, via Satellit versorgt mit Lehrstoff. Edusat-Programme können über jeden Fernseher empfangen werden, einzige Voraussetzung ist ein 53 Euro teurer Receiver.

DER SPIEGEL 40/2004
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