27.09.2004

KUNSTDer Aufbruch

Pablo Picasso nannte ihn den "einzigen Meister", den er gehabt habe: den Maler Paul Cézanne (1839 bis 1906). Und in der Tat ist ja ein Schlüsselwerk des von Picasso, mit Georges Braque, entwickelten kubistischen Stils, Picassos Gemälde "Les Demoiselles d'Avignon" (1907), eine direkte Verbeugung vor den "Großen Badenden" Cézannes, einem Gemälde, zu dem der Einsiedler aus Aix-en-Provence etliche Varianten wie "Die Badenden" von 1890 geschaffen hat.
Gemeinsam haben diese Bilder die minutiöse Zerlegung des Gegenstands in flächige Farbsegmente, die dann zu einer perfekt ausbalancierten Gesamtform zusammenfinden - wobei dieses Widerspiel von Zerlegung und Zusammenfügung das eigentliche Thema des Malers wird. Cézanne hat damit nicht nur Picasso beeindruckt, sondern auch Gauguin, Denis, Derain, Braque oder Matisse. Eine erstaunliche Ausstellung des Essener Folkwang Museums belegt diesen "Aufbruch in die Moderne" mit 114 Meisterwerken der genannten Künstler aus vielen Museen der Welt, darunter allein 43 Werke Cézannes (bis 16. Januar 2005). Die von E.on-Ruhrgas gesponserte Prachtschau protzt nicht einfach mit den unbezahlbaren Ikonen, sondern ermuntert, didaktisch sehr geschickt, den Betrachter, Motive und Formen detailliert zu vergleichen. Obwohl unter den Leihgebern auch das New Yorker Museum of Modern Art ist, steht der Berliner "MoMA-Effekt" noch aus: In den ersten vier Tagen nach der Eröffnung am 18. September kamen 12 000 Besucher.

DER SPIEGEL 40/2004
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