27.09.2004

REPORTAGENLeise Abschiede

Schließlich sind die Augen geschlossen, zeigen diskret: Hier hat sich jemand vom Leben entfernt. Wenn ein Mensch verstorben ist, dann kann das so aussehen, als hätte er sich in sich selbst zurückgezogen. Der Anblick Verstorbener, er ist ebenso alltäglich wie fremd. Ständig berichten die Medien über Katastrophen, zeigen gerade getötete Opfer, doch das Sterben selbst, der Tod des Einzelnen, er wird - heute vielleicht mehr denn je - ausgeblendet. Die SPIEGEL-Redakteurin Beate Lakotta und der Fotograf Walter Schels haben unheilbar Kranke begleitet, die sich auf den Tod vorbereiten wollten, eine angemessene Pflege und Betreuung wünschten und dazu in Hospize gezogen sind - es war für jeden dieser Patienten die letzte Zeit des Lebens, manchmal währte sie Tage, manchmal Wochen. Eine im SPIEGEL erschienene Reportage von Lakotta und Schels wurde mehrfach ausgezeichnet. Nun erscheint ihr Buch "Noch mal Leben vor dem Tod" im DVA-Verlag; an diesem Freitag eröffnet das renommierte Dresdner Hygiene-Museum außerdem eine Ausstellung. Die Texte schildern die Zeit des Abschiednehmens als intensive Herausforderung für die Kranken und auch für deren Freunde und Familien. Die eindrucksvollen Porträts - es sind klare, ruhige und konzentrierte Aufnahmen von Gesichtern vor und nach dem Tod, die leise und darum besonders eindrucksvoll mitteilen: Mit jedem einzelnen Menschen, der stirbt, verschwindet eine Welt.

DER SPIEGEL 40/2004
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