27.09.2004

TIEREGruseliges Schlangenschlingen

Hungrige Schlangen vertilgen alles Mögliche - einige bei Bedarf auch ihresgleichen. Aber wie schafft es beispielsweise eine Kettennatter ("Lampropeltis getula"), eine Kornnatter ("Elaphe guttata") Kopf voran in ihrem Schlund verschwinden zu lassen, wenn das Opfer länger ist als sie selbst? Das Geheimnis, so haben Reptilienkundlerinnen aus den USA und Kanada herausgefunden, liegt in der Elastizität des Schlangenmagens. Bei der Sektion einer Kettennatter, die eine Kornnatter verspeist hatte, erkannten die Forscherinnen, dass sich die Länge des Magens im Verlaufe der Mahlzeit auf fast das Anderthalbfache - und damit auf 91 Prozent der Länge der gesamten Körperhöhle - ausgedehnt hatte. Alle anderen Organe wurden bei der Magenvergrößerung an den Rand gequetscht. Ein verdächtiges Beulenmuster an den Seiten eines weiteren frisch gesättigten Tieres verriet den Schlangenexpertinnen schon von außen, wo die restliche Überlänge des Opfers abgeblieben war: Röntgenaufnahmen bestätigten, dass die Kornnatter im Bauch der Jägerin "zusammengepresst war wie der Faltenbalg eines Akkordeons", berichtet Elizabeth Brainerd von der University of Massachusetts in Amherst. Auch die Schlucktechnik des Reptils ist nach den auf Video* festgehaltenen Versuchen genauestens analysiert: In der ersten Phase des rund zweistündigen schaurigfaszinierenden Schlangenschlingens wird die Beute abwechselnd mit den unabhängig voneinander zu bewegenden Kieferseiten festgehalten oder tiefer in den Schlund gezogen. In einer zweiten Phase stülpt sich der Leib der einen immer weiter über den der anderen Schlange - bis von der Gefressenen am Ende kein Schwanz mehr zu sehen ist.
* Abzurufen unter www.elsevier-deutschland.de/zoology.

DER SPIEGEL 40/2004
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