27.09.2004

FERNSEHKABEL„Das schadet dem Standort“

Der Chef des größten deutschen TV-Kabelanbieters Kabel Deutschland (KDG), Roland Steindorf, 50, über das Scheitern seiner Monopolstrategie und die Konsequenzen für die Digitalisierung in Deutschland
SPIEGEL: Am Montag dieser Woche starten Sie Ihr neues Digitalangebot. Privatsender wie RTL oder ProSieben sind nicht dabei. Ihre Kunden sollen 99 Euro für einen Dekoder bezahlen, 14,50 Euro Freischaltgebühr sowie zusätzlich 9 Euro monatlich für das Digitalpaket. Warum sollten sie das tun und obendrein auf die privaten Marktführer verzichten?
Steindorf: Die Kunden haben die Wahl: Das analoge Angebot bleibt ja parallel bestehen. Was uns für unser Digitalpaket optimistisch stimmt, ist die Tatsache, dass es uns gelungen ist, mehr als 25 Veranstalter wie National Geographic, Disney, einen Sony-Filmkanal und den History-Channel zu gewinnen. Viele unserer Sender sind erstmals in Deutschland zu empfangen.
SPIEGEL: Eigentlich wollten Sie die Kabelgesellschaften in NRW, Baden-Württemberg und Hessen übernehmen, um dieses Angebot statt 10 Millionen künftig 17 Millionen Haushalten offerieren zu können. Das hat das Bundeskartellamt vorige Woche verhindert - Ihre Monopolstrategie ist gescheitert.
Steindorf: Das war keine Monopolstrategie. Wir wollten das Kabel, das ja in Konkurrenz zu anderen Infrastrukturen wie dem Satelliten steht, so aufrüsten, dass wir wettbewerbsfähiger sind.
SPIEGEL: Das Kartellamt sieht das anders.
Steindorf: Das Amt zementiert den Status quo, und das wird uns bei der Digitalisierung international weiter zurückwerfen. Nirgendwo gibt es einen solchen Flickenteppich wie bei uns. Mit 10 Millionen Haushalten ist es schwieriger, attraktive Sender nach Deutschland zu locken und Boxen-Produzenten von neuen Technologien wie Personal Videorecordern zu überzeugen. Es war gerade etwas Zuversicht gewachsen, die ist jetzt weg. Das schadet dem Medienstandort.
SPIEGEL: Vor allem schadet es Ihnen, denn parallel wird das digitale Antennenfernsehen DVB-T ausgebaut, das ein ähnliches Programmangebot bietet wie Sie - nur ohne monatliche Zusatzkosten.
Steindorf: Das ist eine klare Herausforderung, aber vor allem für Durchschnitts-TV-Kunden attraktiv, die sich mit 18 bis 24 Programmen zufrieden geben. Kabel bietet wesentlich mehr, vor allem künftig auch Services über TV hinaus. Was mich wirklich aufregt, ist die politische Unterstützung für DVB-T. Das verzerrt den Wettbewerb.
SPIEGEL: Sie hatten im Kartellverfahren zugesagt, jährlich bis zu 200 Millionen Euro ins Netz zu investieren. Bleibt es dabei?
Steindorf: Das war auf 17 Millionen Haushalte ausgelegt. Wir haben jetzt 40 Prozent weniger Kunden und werden unsere Investitionen entsprechend anpassen.

DER SPIEGEL 40/2004
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