25.10.2004

Der Junge und der Müllbaron

Ronald Pofalla war in den Achtzigern ein aufstrebender, aber mittelloser CDU-Jungstar. Doch er hatte einen Gönner.
In seiner Heimat im kleinen Ort Weeze am Niederrhein galt Ronald Pofalla, der nun den scheidenden CDU-Wirtschaftsexperten Friedrich Merz beerben soll, schon sehr früh als Politiker mit Zukunft. Als 16-Jähriger war er 1975 in die CDU eingetreten, vier Jahre später führte der Blondschopf bereits die CDU-Fraktion im Gemeinderat an.
Seine Parteioberen machten sich bald Gedanken, wie der aufstrebende junge Mann am besten zu fördern sei. Er kam aus kleinen Verhältnissen, die Familie gehörte nicht zu den Begüterten: Pofallas Vater arbeitete in einer Holzfabrik, seine Mutter starb früh an Krebs. Von dieser Seite hatten der agile Junge, sein Bruder und seine Zwillingsschwester nicht viel zu erwarten.
Also wurde ein Sponsor für das Jungtalent gesucht. Die Wahl fiel auf Bernhard Josef Schönmackers, einen hoch gewachsener Geschäftsmann, der noch heute im Kreis Kleve Entsorgungs- und Umweltfirmen betreibt. Auf grünen Lastern prangt sein Motto: "Heute für morgen sorgen".
Er sei vom damaligen Gemeindedirektor Wienen "um eine Förderung beziehungsweise Unterstützung des Studiums des Herrn Pofalla gebeten" worden, gab der Müllbaron im Sommer 2000 zu Protokoll. Damals hatte die Essener Steuerfahndung gegen Ronald Pofalla - der war mittlerweile Bezirksvorsitzender der CDU Niederrhein - wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Das Verfahren wurde aber im gleichen Jahr eingestellt.
Der CDU-Youngster bekam prompt einen "Beratervertrag", der nach Schönmackers' Erinnerung zwei oder drei Jahre lief und dem Studenten in den achtziger Jahren monatlich zwischen 1200 und 1300 Mark einbrachte.
"Sinn und Zweck unserer Zusammenarbeit", so der Geschäftsmann, "war es grundsätzlich, Herrn Pofalla für sein Jurastudium eine gewisse finanzielle Basis zu geben." Dessen Hauptaufgabe seien "politische Kontakte" gewesen und die Bearbeitung von Fragen des Miet- und Arbeitsrechts.
Zu Pofallas späteren Gegenleistungen ließ sich Schönmackers nur einen Satz entlocken: Die weitere Zusammenarbeit habe in "der politischen Unterstützung des Aufbaus" und "der Erweiterung unseres Betriebes" bestanden. Schönmackers' Firmenkonglomerat ist seitdem kräftig expandiert.
Das "vertrauensvolle Verhältnis" (Schönmackers) reichte weit ins Private. Auf Pofallas Polterabend 1989 feierte der Firmenchef kräftig mit. Gegenüber der Steuerfahndung gab Pofallas inzwischen geschiedene Ehefrau zu Protokoll, dass die beiden Männer "laufenden Kontakt" hatten und des öfteren "einen getrunken" hätten.
Kein Wunder also, dass sich Pofalla, als seine Ehe 1996 in die Brüche ging, wieder an seinen alten Freund wandte. Er brauchte 150 000 Mark. Von einem "starken finanziellen Druck auf Grund der bevorstehenden Scheidung" habe sein einstiger Schützling damals gesprochen, erinnert sich Schönmackers.
Pofalla, der zu dieser Zeit bereits für die renommierte Anwaltskanzlei Holthoff-Pförtner arbeitete - prominentester Kunde Altkanzler Helmut Kohl - und seit sechs Jahren im Bundestag saß, wollte das Geld in bar.
Die Art der Auszahlung überraschte seinen Gönner, er wäre davon ausgegangen, "dass solche Geldbewegungen von Konto zu Konto zu erfolgen haben".
Der Unternehmer entsprach dem Wunsch. Bis zu seiner Vernehmung im Sommer 2000 hat Schönmackers, laut Aussage bei der Steuerfahndung, Pofalla "regelmäßig" auf die Rückzahlung angesprochen, dieser habe "jedes Mal weiterhin den Wunsch geäußert, diese Rückzahlung zu verschieben". Ob das Darlehen inzwischen getilgt wurde, ist nicht bekannt.
Pofalla möchte sich zu den Vorgängen nicht äußern. Sein Bundestagsbüro teilte mit, dass er vor seiner Wahl zum Fraktionsvize am Dienstag nichts sagen möchte. Sein Förderer Schönemackers ließ eine Anfrage ebenfalls unbeantwortet. BARBARA SCHMID
Von Barbara Schmid

DER SPIEGEL 44/2004
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