27.12.2004

27. Dezember 2004 Betr.: Geiseldrama

Es sind nicht nur die Bilder der Toten, sondern auch die Gesichter der Überlebenden, die den Schrecken dieser Tragödie vermitteln: Als der russische Fernsehkanal "Rossija" am 3. September Aufnahmen jenes Mädchens ausstrahlte, das der SPIEGEL nun auf seinem Titelbild zeigt, war es bei dem Geiseldrama in der Kaukasus-Stadt Beslan gerade mit dem Leben davongekommen. 330 Menschen, darunter 176 Kinder, starben bei einem Angriff muslimischer Terroristen auf die Schule Nummer eins, und als sechs SPIEGEL-Leute die Geschehnisse rekonstruieren wollten, stießen sie bei der Nomenklatura auf großen Widerstand. Angehörige von Opfern hingegen gaben ihr Wissen preis, und so entstand nach aufwendigen Recherchen eine der umfangreichsten Titelstorys in der Geschichte des SPIEGEL: Reporter Ullrich Fichtner, 39, wurde in den Häusern der Trauernden gebeten, "die Wahrheit ans Licht zu bringen". Der Moskauer SPIEGEL-Büro-Chef Walter Mayr, 44, recherchierte vor allem in Inguschien, der Heimat der Täter. Christian Neef, 52, traf in einem inguschischen Krankenhaus den tragischen Helden Sultan Guraschew, der die Terroristen aufzuhalten versuchte und später von Staatsbediensteten als Mittäter verdächtigt und übel zugerichtet wurde. Korrespondent Uwe Klußmann, 43, ging in Beslan auf Spurensuche, und die SPIEGEL-Männer Uwe Buse, 41, und Mario Kaiser, 34, befragten Überlebende und Retter. Der Akt der Barbarei indes wirkt nach: Vor allem die Brandopfer unter den schwerverletzten Kindern brauchen langfristige Hilfe. Die deutsche Initiative Placet, ein gemeinnütziger Verein zur plastisch-chirurgischen Versorgung von Terroropfern, bittet um Spenden auf das Konto 2 741 700 000 bei der Berliner Bank (BLZ 100 200 00); Placet will sich zusammen mit dem DRK und dem Beslaner Bürgerkomitee der schwersten Fälle annehmen (Seite 65).

DER SPIEGEL 53/2004
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