27.12.2004

TV-Rückblick

Gott auf unserer Seite - Die Welt des George W. Bush
22.12., Phoenix
Da fuhr ein lässiger Kerl um die vierzig durch Texas, grinste in die Kamera. Später gab er zu, dass er gern mal einen zu viel trinkt. Heute ist dieser George W. Bush Präsident der USA. Eine Wandlung, die Kritiker zu Verschwörungstheorien inspirierte. Michael Moores hasserfüllte Kino-Dokumentation hat viele daran gewöhnt, in Bush einen Präsidenten der Reichen und Industriellen zu sehen. Phoenix bewies am Mittwoch, dass die leisen Töne oft die klügeren sind. Die Autoren David Van Taylor und Calvin Skaggs machen konservativchristliche Evangelikale als die Lobby aus, die seit 50 Jahren die US-Politik kontrollieren will und es mit dem jüngeren Bush geschafft hat. Ohne Groll und Verschwörungstheorien zeichnen die Filmemacher den religiösen Kulturkampf nach und zeigen, was Bush an die Macht brachte. Kirchenobere, frühere texanische Freunde oder der preisgekrönte Biograf Bill Minutaglio berichteten. Fakten sprachen für sich: Etwa die Aufzählung der Evangelikalen unter den Mächtigen Amerikas bis hin zur bibelfesten und designierten Außenministerin Condoleezza Rice. Die aufrüttelnden Bilder dieser Dokumentation lassen sich nicht so leicht ignorieren wie Michael Moores lauter Film und seine Bücher.

DER SPIEGEL 53/2004
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