27.12.2004

HAITIUno-Protektorat in der Karibik?

Westliche Diplomaten erwägen, den politisch und wirtschaftlich zerrütteten Inselstaat komplett unter die Schutzherrschaft der Vereinten Nationen zu stellen. Die Uno-Truppe von rund 7000 Mann, die seit dem Sturz von Präsident Jean-Bertrand Aristide im vergangenen Februar für stabile Verhältnisse in der Chaos-Republik sorgen soll, ist offenbar mit ihrer Mission überfordert. Die Regierung unter Premierminister Gérard Latortue hat bislang nicht einmal die Hauptstadt Port-au-Prince unter Kontrolle; weite Landesteile werden von Rebellen und bewaffneten Verbrecherbanden beherrscht. Bei Unruhen sind seit Anfang September über 200 Menschen ums Leben gekommen. Die Aufstellung neuer Sicherheitskräfte gilt als gescheitert: Viele der Polizisten werden für Vergewaltigungen, Morde und Raubüberfälle verantwortlich gemacht. Ex-Soldaten, die zum Sturz Aristides beigetragen hatten, besetzten vorletzte Woche das Haus des ehemaligen Präsidenten, der sich im Exil in Südafrika aufhält; ihr Anführer Remissainthes Ravix rief zum Guerilla-Krieg gegen die Regierung auf. Kenner wiederum bezweifeln, dass in solch einer Situation freie Wahlen vorbereitet werden können. Sie drängen deshalb darauf, Haiti nach dem Vorbild des Kosovo oder Osttimors unter internationale Aufsicht zu stellen. Regierungen in Lateinamerika und Afrika lehnen diese Lösung bislang ab.

DER SPIEGEL 53/2004
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HAITI:
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