27.12.2004

INDIENAnstößiges Sex-Video

Condoleezza Rice, designierte US-Außenministerin, hat sich in eine Moraldebatte eingeschaltet, die seit vorletzter Woche das prüde Indien erregt und sogar das Unterhaus in Neu-Delhi beschäftigte. Der Anlass: Ein Pärchen, 17 und 16 Jahre alt, hatte sich per Handy beim Oralsex gefilmt. Später fand die gewagte Szene als Kaufvideo auf der indischen Website des Online-Auktionshauses Baazee.com landesweite Verbreitung - was strikt verboten ist. Daraufhin wurden die Laiendarsteller von ihrer Eliteschule in Neu-Delhi verwiesen, der Junge wurde - mit verhülltem Kopf - festgenommen. Hinter Gitter kamen auch ein Jugendlicher, der die Aufnahme angeboten hatte, sowie vorübergehend Baazee.com-Chef Avnish Bajaj, obwohl der den Verkauf des Sex-Clips umgehend gestoppt hatte. Da Harvard-Absolvent Bajaj die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt und Baazee.com der US-Internet-Börse EBay gehört, äußerte Rice "Besorgnis" über seine Festnahme. Sie sieht nationale Interessen gefährdet, auch, weil Indien der weltweit am stärksten wachsende Markt für Mobiltelefone ist. Während die hindunationalistische Oppositionspartei BJP gegen die Einmischung aus Washington reflexartig protestierte, reagieren liberale Inder eher selbstkritisch: "Unsere veralteten Gesetze sind für die diversen gesellschaftlichen Nebenwirkungen der Globalisierung einfach nicht angemessen verfasst", so der Sozialwissenschaftler Ashish Nandy.

DER SPIEGEL 53/2004
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