27.12.2004

ARZNEIMITTELAnwälte gegen Pfizer

Für den US-Pharmakonzern Pfizer, den Hersteller des umstrittenen Schmerzmittels Celebrex, spitzt sich die Lage zu. Nach zwei US-Anwaltsfirmen planen jetzt auch vier Berliner Kanzleien, gegen Pfizer rechtliche Schritte einzuleiten. Am Freitag vorvergangener Woche war bekannt geworden, dass der Cox-2-Hemmer Celebrex in einer Studie ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall gezeigt hatte. Nach einem ähnlichen Studienergebnis hatte Ende September der Pfizer-Konkurrent MSD seinen Cox-2-Hemmer Vioxx vom Markt genommen. "Nach über 1000 Vioxx-Betroffenen haben sich jetzt bei uns auch viele Patienten gemeldet, die nach der Vioxx-Rücknahme mit Celebrex weiterbehandelt worden sind", sagt einer der Berliner Anwälte, Andreas Schulz. Er und seine Kollegen prüfen, ob auch für jene Patienten, die mit den ebenfalls stark in die Kritik geratenen Cox-2-Hemmern Bextra (Pfizer) und Arcoxia (MSD) behandelt werden, Ansprüche geltend gemacht werden können. "Europaweit könnten insgesamt etwa 10 000 Menschen betroffen sein", sagt Schulz. Pfizer indes will vor einer abschließenden Bewertung der Celebrex-Risiken zunächst auch die Ergebnisse zweier Studien auswerten, die für das Medikament positiv ausgefallen sind. "Wir stehen hinter Celebrex", erklärt die Medizinische Direktorin Gail Cawkwell. Die europäische Arzneimittelbehörde Emea hat das nach dem Vioxx-Skandal aufgenommene Risikobewertungsverfahren erheblich beschleunigt und will im Januar weiter über das Schicksal der Cox-2-Hemmer beraten. Die in Sachen Celebrex federführende schwedische Aufsichtsbehörde warnt bereits vor einer breiten Anwendung des Medikaments. Auf ihrer Homepage empfiehlt sie Celebrex, wenn überhaupt, nur noch bei Patienten mit einem hohem Risiko für Magendarmblutungen anzuwenden.

DER SPIEGEL 53/2004
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