10.01.2005

RUMÄNIENKampf gegen den Babymarkt

Seit Jahresbeginn verfügt das Karpatenland über ein neues, strikteres Adoptionsrecht: Künftig dürfen rumänische Kinder nur dann in die Obhut ausländischer Eltern gegeben werden, wenn sämtliche Versuche, heimische Paare zu finden, fehlgeschlagen sind. Außerdem dürfen Kleinkinder unter zwei Jahren generell nicht mehr an Ausländer vermittelt werden. Brüssel hatte sich in den vergangenen Jahren immer wieder über alarmierende Missstände im rumänischen Adoptionswesen empört - und gar die von Bukarest angestrebte EU-Mitgliedschaft in Frage gestellt. Kleinkinder, so der wohl schwerwiegendste Vorwurf, würden für fünfstellige Dollar-Summen regelrecht verhökert. Um dem anstößigen Treiben ein Ende zu bereiten, wurde 2001 schließlich ein Moratorium verhängt, das Bukarest mitunter allerdings großzügig umging. Für Aufregung sorgte vor allem die Vermittlung von 105 Kindern nach Italien, die im vergangenen Jahr publik wurde - ein offener Verstoß gegen das Moratorium. Die Berichterstatterin des Europaparlaments, Baronin Emma Nicholson, wetterte in ihrem Rumänien-Report, sie habe einen "profitablen Kinderhandel" ausgemacht, in den auch Amtspersonen verstrickt seien. Während die EU nun mit dem verschärften Adoptionsrecht zufrieden sein dürfte, treffen die neuen Bestimmungen vor allem bei zahlreichen US-Bürgern auf Unverständnis: Etwa 1000 amerikanische Paare hatten bereits vor dem Moratorium Adoptionsanträge gestellt, sie liegen seither auf Eis. Nun setzen viele US-Paare auf den neu gewählten liberalen Präsidenten Traian Basescu. Er werde, so ihre Hoffnung, eine akzeptable Lösung für die noch anhängigen Fälle finden.

DER SPIEGEL 2/2005
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RUMÄNIEN:
Kampf gegen den Babymarkt

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