10.01.2005

RUSSLANDFortgesetzte Flurbereinigung

Der Machtkampf unter Kreml-Strategen spitzt sich zu. Präsident Putins höchstrangiger Wirtschaftsberater, der marktliberale Andrej Illarionow, 43, ist vergangene Woche als Russlands G-8-Gesandter abgelöst worden. Über seinen bevorstehenden vollständigen Abschied aus dem Vorhof der Macht wird bereits spekuliert.
Illarionow, Liebling der Analysten am Moskauer Markt, hatte Ende Dezember mit für Kreml-Verhältnisse bemerkenswerter Deutlichkeit die Politik des russischen Präsidenten als Marsch in Richtung Dritte-Welt-Staat gegeißelt und die kaum getarnte Verstaatlichung des führenden Ölkonzerns Jukos als "Betrug des Jahres". Dass dem vorlauten Volkswirt und Reformer der ersten Stunde nun der skandalfreie Putin-Mann und Jurist Igor Schuwalow als Cheforganisator auch des G-8-Gipfels in Russland 2006 vorgezogen wird, ist ein deutliches Symbol.
Sowohl der degradierte Illarionow als auch der liberale Wirtschaftsminister German Gref und Finanzminister Alexej Kudrin haben es im Gefolge der Jukos-Affäre an Mahnungen nicht fehlen lassen. Doch in einem Akt fortgesetzter Flurbereinigung zu Gunsten alter Weggefährten aus KGB und anderen bewaffneten Organen scheint Putin unverändert entschlossen, sich von kritischen Geistern in seinem Umfeld zu befreien. Illarionows Attacke gegen den Alleinherrscher im Kreml wirkt in diesem Licht wie ein Bewerbungsschreiben für die Zeit nach Putin.

DER SPIEGEL 2/2005
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RUSSLAND:
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