10.01.2005

GROSSBRITANNIENGeheime Auswahl

Jahrzehntelang hat die britische Armee heimlich die Anzahl der Rekruten aus ethnischen Minderheiten begrenzt. Seit 1957 sahen sich die Militärärzte aufgefordert, alle Bewerber für die Streitkräfte mit "asiatischen oder negroiden Zügen" zu registrieren. Die Aufstellung wurde genutzt, um die Zahl der "nichtweißen" Truppen im britischen Königreich zu beschränken. Dabei konnten die Mediziner offensichtlich recht selbständig und nach unklaren Kriterien entscheiden, wer als "nicht-weiß" deklariert wurde. In einer vertraulichen Vorlage heißt es dazu: "Die Bestimmung der Charakteristika liegt bei den Militärärzten und kann Chinesen, Malteser oder auch dunkelhäutige Franzosen beinhalten." Wie aus den Unterlagen hervorgeht, hat die Armee ihre ethnische Rekrutierungspolitik sogar gegenüber Ministern verheimlicht. Das rassistische Auswahlsystem kam am 3. Januar ans Licht, dem Tag, an dem ein neues Gesetz über freien Informationszugang in Kraft trat. Es erlaubt nun Einblick in 50 000 Regierungsakten, die bislang unter Verschluss gehalten wurden.

DER SPIEGEL 2/2005
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