10.01.2005

UKRAINEHeikle Reisepläne

Wenige Tage vor der für den 13. Januar in Aussicht genommenen Inauguration sendet Wiktor Juschtschenko, der designierte Präsident, bereits Signale für die künftige Westorientierung seines Landes aus. Derzeit versucht sein Stab, für Februar eine Begegnung mit US-Präsident George W. Bush zu arrangieren, wenn der zu seiner Visite nach Europa kommt; zudem soll der neue Staatschef auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos und im Europaparlament in Straßburg auftreten. Fest gebucht ist bereits eine Reise Juschtschenkos ins benachbarte Polen, wo er am 27. Januar an den Feierlichkeiten zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz teilnehmen und wohl auch Warschau besuchen wird. Sollte Polen tatsächlich erstes Reiseziel sein und nicht Russland, dürfte das erneut den Kreml verärgern: Präsident Aleksander Kwasniewski hatte während der Krisentage in Kiew nicht nur erfolgreich als Vermittler im Sinne Juschtschenkos agiert, sondern sich auch durch einen saloppen Satz bei Kreml-Chef Putin unbeliebt gemacht. Der Pole hatte gesagt, "Russland ohne die Ukraine" sei "besser als Russland mit der Ukraine" - worauf Putin von "einer Person" sprach, die offenbar für die Zeit nach der Präsidentschaft bereits "einen neuen Job" im Westen suche. Die Fahrt nach Auschwitz besitzt für Juschtschenko besondere Bedeutung: Vater Andrej, einst Dorflehrer, war dort eingekerkert; auch sein Schwiegervater kam ins KZ, die Schwiegermutter wurde nach Deutschland verschleppt - beide wanderten nach der Befreiung ins amerikanische Florida aus.

DER SPIEGEL 2/2005
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