10.01.2005

SIMBABWEAfrikanischer Kreml

Vor den Parlamentswahlen im März lässt Diktator Robert Mugabe seine regierende Kaderpartei Zanu-PF auf Linie bringen. Jüngstes Opfer der politischen Säuberungsaktion ist Informationsminister Jonathan Moyo. Der Propagandamann des Diktators, der sich seinen Spitznamen "Goebbels von Simbabwe" redlich verdient hatte, war im Dezember in Ungnade gefallen und nach und nach seiner Ämter enthoben worden. Vergangene Woche erklärte der ebenso ehrgeizige wie eitle Moyo seinen Rücktritt vom Ministeramt. Zusammen mit ihm wurde auch eine ganze Reihe anderer ehemals einflussreicher Zanu-PF-Politiker ins politische Abseits gedrängt. Wie einst im Moskauer Kreml tobt im Reich des Diktators in Simbabwe ein Machtkampf, weil die jüngere Generation der Partei Einfluss auf die Nachfolge des 80-jährigen Alleinherrschers erhalten will. "Da wurden Strippenzieher mit eigenen politischen Ambitionen kaltgestellt", glaubt der Simbabwe-Experte Henning Melber, Forschungsdirektor am Nordischen Afrika-Institut im schwedischen Uppsala. Die Entmachtung Moyos zeigt, dass der Diktator sich auf seine Getreuen im Parteiapparat verlassen kann - auch dann, wenn er weit weg ist: Der Patriarch macht zurzeit mit seiner Familie Strandurlaub im von der Flutwelle heimgesuchten Malaysia.

DER SPIEGEL 2/2005
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