10.01.2005

AUSSTELLUNGENDie Kunst weiblicher Herumtreiberei

Der lebensbegabte Müßiggänger, der in Kunst und Literatur auftritt, in Cafés, Parks oder Bibliotheken umherstreift, war meistens männlich: Weibliche Flaneure gab es erst spät - denn Frauen hatten sich, der bürgerlichen Konvention gehorchend, nicht herumzutreiben. Erst in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts änderte sich das. Selbstbewusste Künstlerinnen beschlossen, es ihren Kollegen gleichzutun und sich ihre Bildmotive auch in Bars, Cafés und Nachtlokalen zu suchen. "Femme Flaneur - Erkundungen zwischen Boulevard und Sperrbezirk" heißt eine Ausstellung im Bremer Paula Modersohn-Becker Museum (16. Januar bis 3. April), die über 70 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen präsentiert. Die expressiven Exponate zeigen weibliche Flaneure auf Boulevards, in Theatern, Varietés, Kneipen und Bars beim Trinken, Rauchen, Flirten, Tanzen oder Billardspielen. Die Dresdnerin Elfriede Lohse-Wächtler (1899 bis 1940) widmete sich dem Hamburger Kiez und lässt in ihrem Bild "Lissy" eine Animierdame selbstbewusst posieren. Die Berliner Künstlerin Jeanne Mammen (1890 bis 1976) war eine Flaneurin aus Leidenschaft und wünschte sich: "Nur ein Paar Augen sein. Ungesehen durch die Welt gehen, nur die anderen sehen."

DER SPIEGEL 2/2005
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