10.01.2005

Wolfgang Clement

Wolfgang Clement , 64, für sein aufbrausendes Wesen bekannter Arbeits- und Wirtschaftsminister, übte sich in schier christlicher Demut. Beim Besuch der Agentur für Arbeit in Köln traf der Minister nach vierstündiger Goodwill-Tour durchs 14-stöckige Gebäude ("Tach, wie geht's denn, gibt's Probleme, was können wir für Sie tun?") vor der Tür des Arbeitsamts auf vier Demonstranten mit einem Protestplakat. "Jetzt haben Sie schon so lange gewartet", sagte Clement sanftmütig, "Guten Tag, wie geht's denn?" Ein Demonstrant: "Sie sind schuld, Hartz funktioniert nicht." Clement: "Mal abgesehen von dem, was auf Ihrem Schild steht, wo drückt der Schuh?" Demonstrant: "Ich hab Ihnen eine E-Mail geschrieben, dass die Reform Scheiße ist." Ob er sich schon mal die "Veränderungen" für seine "Lage" habe erklären lassen, fragte Clement ruhig. Der Demonstrant: "Nö." Clement: "Dann bitte ich Sie jetzt mal, die Beratung dort abzuholen. Danach können Sie mich ja weiter beschimpfen, aber erst muss Ihnen geholfen werden." Demonstrant: "Ich kann jetzt hier nicht weg." Da war es Schluss mit der Schafsgeduld des Sozialdemokraten: "Das Schild halte ich nicht auch noch. Tschüs jetzt."

DER SPIEGEL 2/2005
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