28.11.1977

„Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud“

TOWER: ... Hier spricht General Abdullahi, Polizeichef. Bitte hören Sie genau zu. Ende.
BOEING: Sprechen Sie, General.
TOWER (General A.): Die deutsche Regierung wird Ihre Bedingungen nicht annehmen. Bis jetzt haben wir keine Bestätigung bekommen, daß die deutsche Regierung Ihre Forderungen erfüllen wird. Die somalische Regierung ersucht Sie, die Passagiere und Besatzung freizulassen. Wir versprechen Ihnen sicheres Geleit. Wir fordern, daß die unschuldigen Passagiere nicht unter etwas leiden, das sie nichts angeht. Ende.
BOEING: Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud. Ich habe Ihre Nachricht verstanden, General, und daß die deutsche Regierung unsere Forderungen ablehnt. Es ändert sich nichts. Wir werden das Flugzeug genau bei Ablauf des Ultimatums in die Luft sprengen. Ich wiederhole: Wir werden das Flugzeug um drei Uhr MEZ sprengen, das heißt, genau in einer Stunde und 34 Minuten. Wir danken Ihnen für Ihre Bemühungen bisher. Wir danken der somalischen Regierung für ihr Angebot, aber wir werden nicht zögern, das Flugzeug um drei Uhr zu sprengen. Es wird keine Verlängerung des Ultimatums um auch nur eine Sekunde geben. Das habe ich dem Vertreter Deutschlands vorher gesagt, und das sage ich jetzt. Es wird keine Verlängerung des Ultimatums geben. Das Flugzeug wird in einer Stunde und 33 Minuten gesprengt. Haben Sie meine Nachricht deutlich empfangen?
TOWER: Ja, ich verstehe, aber wir haben Ihnen erlaubt, zu landen. Sie sind in unserem Land. Sie sollten an die Gastfreundschaft denken, die wir Ihnen gegeben haben. Deshalb fordern wir Sie noch einmal auf, aus humanitären Gründen die Passagiere und die Mannschaft freizugeben. Diese Menschen haben kein Unrecht getan. Sie sollten nicht für etwas leiden, das mit ihnen nichts zu tun hat. Sie haben nicht die Macht, die Leute freizubekommen, die Sie freigelassen haben möchten. Ich meine, es ist menschlich, daß Sie an die Gastfreundschaft des Landes, in dem Sie sich befinden, denken. Wir bieten Ihnen freies Geleit. Sie sollten diese Punkte bitte überdenken.
BOEING: Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud. Meine Einheit und ich denken an Ihre Gastfreundschaft und Ihre Erlaubnis, hier zu landen. Wir danken für die Unterstützung und die Hilfe, die Sie den Passagieren angeboten haben. Wir danken dem Präsidenten und der somalischen Regierung. Ich möchte PräsidentGenossen Siad Barre die Grüße von Captain Märtyrer Mahmud und seiner Einheit senden Wir möchten ihm noch einmal danken für alles, was er getan hat. Aber jetzt wird es die Lage nicht mehr ändern. Wir werden das Flugzeug in eineinhalb Stunden sprengen.
Und noch etwas: Sie sprachen über Menschlichkeit und humanitäre Gründe, General. Menschlichkeit fühlen wir, denn wir sind Menschen. Wir stammen aus der proletarischen Klasse, Proletarier aus ganz Europa. Wir geben der deutschen Regierung jede Chance, ich sage, jede Chance, zu beweisen, daß sie auch nur ein Fünkchen Menschlichkeit hat.
Sie sind schlimme Lügner, sie sind die Betrüger. . . Scheiße, aber wir haben keine andere Wahl. Ich will den Vertreter Deutschlands am Morgen sprechen, ich werde das Flugzeug sprengen, und ich werde es tun.
Die deutsche Regierung kann ihrem Volk beweisen, daß sie sich um ihr Volk sorgt und daß sie ihrem Volk beistehen will. Dieses imperialistische Land Westdeutschland ... Wir fordern die Freilassung unserer Genossen aus humanitären Gründen, denn sie leben unter unglaublichen und unfaßbaren Bedingungen. Wir wollen sie befreien und auch alle die Genossen der PFLP, die für die Befreiung Palästinas kämpfen und in türkischen Gefängnissen sitzen.
Besonders Westdeutschland hat jede Gelegenheit gehabt zu beweisen, daß es kein Gegner der Menschlichkeit ist... Aber da die Regierung unsere Forderungen abgelehnt hat, werden wir das Flugzeug genau um zwei Uhr in die Luft sprengen, das ist genau in einer Stunde und siebenundzwanzig Minuten. Danke, General.
TOWER (General A.): Bitte überlegen Sie sich meine Bitte. Ich werde später wieder Kontakt mit Ihnen aufnehmen.
BOEING: Ich überdenke Ihre Bitte, aber wir können nichts mehr ändern. Wir danken Ihnen für Ihr menschliches Gefühl, aber aus eben diesem Grund können wir nichts machen, denn alles liegt in den Händen der Westdeutschen... Ich wiederhole, wir werden das Flugzeug in einer Stunde und 26 Minuten sprengen. Wenn Sie dann zufällig im Tower sind, werden Sie das Flugzeug in tausend Stücke fliegen sehen. Danke, General, danke. (Pause)
BOEING: Dies ist eine Forderung.
TOWER: Verstanden. Wir haben Ihre Botschaft empfangen.
TOWER (Verkehrsminister): Captain Märtyrer Mahmud, hier spricht der Verkehrsminister der Republik Somalia. Ich möchte mit Ihnen sprechen. Bitte übernehmen Sie.
Ich bin der Verkehrsminister und auch für diesen Flughafen verantwortlich. Sie sind bereits von unserem Polizeichef über die Reaktion der deutschen Regierung informiert worden. Ich wiederhole, was der General Ihnen bereits gesagt hat. Im Namen des Präsidenten der Somalischen Demokratischen Republik - diese Botschaft vom Präsidenten: Wir, unsere Regierung, unser Land haben keine schlechten Absichten mit Ihnen. Wir möchten nicht, daß irgend jemand hier getötet wird, noch möchten wir, daß die Menschen im Flugzeug getötet werden. Wir wollen kein Blutvergießen auf unserem Territorium. Wir möchten, daß Sie die Geiseln freigeben, und wir werden versuchen, Sie zu retten. Dies ist die Botschaft.
BOEING: Okay. Ich habe Ihre Botschaft empfangen, aber ich werde keine der Geiseln aus dem Flugzeug freilassen, das in genau einer Stunde und zehn Minuten gesprengt wird.
TOWER (Verkehrsminister): Ich habe Sie gehört. Aber was genau soll ich dem Präsidenten sagen? Er wartet auf mich, auf eine Botschaft von Ihnen. Ende.
BOEING: Ich gebe Ihnen diese Botschaft. Ich werde keine der Geiseln an Bord des Flugzeuges freilassen. Ich werde das Flugzeug genau zum Ende des Ultimatums sprengen, das heißt in einer Stunde und sechs Minuten. Haben Sie meine Nachricht empfangen?
TOWER (Verkehrsminister): Ich habe Ihre Nachricht empfangen. Aber wir bitten Sie, Ihren Entschluß noch einmal zu überdenken, denn Sie befinden sich auf somalischem Boden, auf unserem Territorium, und Sie sind hier unsere Gäste. Wir möchten, daß Sie noch einmal überdenken, was Sie gesagt haben.
BOEING: Ich danke der Somalischen Demokratischen Republik, aber das ändert nichts an der Entscheidung, das Flugzeug zu sprengen. Wir werden das Flugzeug in einer Stunde und fünf Minuten sprengen. Ende.
BOEING: Bitte ziehen Sie alle Soldaten an der linken Seite des Flugzeuges ab, denn wir wollen der großen somalischen Regierung keinen Schaden zufügen. Danke.
TOWER: Verstanden, Sir. Wir werden übergeordnete Stellen informieren ...
BOEING: Noch 31 Minuten bis zum Ende des Ultimatums. Ich hoffe, daß Sie die Tür öffnen und in Deckung gehen, wenn es soweit ist. Es ist ziemlich weit von hier zu Ihnen; wir möchten nicht, daß Sie verletzt werden. Haben Sie vielen Dank.
TOWER: Verstanden, Captain Mahmud. Wir werden übergeordnete Stellen informieren. Hier sind der Informationsminister und der Verkehrsminister. Sie möchten mit Ihnen sprechen.
BOEING: Bitte sprechen Sie.
TOWER: Mister Märtyrer Mahmud, hier spricht der Informationsminister der Somalischen Demokratischen Republik. Sie verstehen sicherlich die Situation, in der diese Regierung jetzt ist. Sie verstehen auch, daß wir nicht möchten, daß weder Sie noch die Passagiere auf somalischem Boden sterben. Unsere Regierung versucht laufend, mit der deutschen Regierung zu sprechen. Wir haben Ihnen bereits deren Position mitgeteilt, aber wir versuchen es immer weiter. Jetzt und in dieser Lage möchte meine Regierung Sie bitten, das Ultimatum um mindestens 24 Stunden zu verlängern, um es der somalischen Regierung zu ermöglichen, die Gespräche mit der deutschen Regierung fortzusetzen. Wir haben keine andere Wahl, als Sie zu bitten, diese Verzögerung zu akzeptieren, um Ihr und der Passagiere Leben zu retten. Ende.
BOEING: Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud. Leider - ich weiß zu schätzen, was Sie gesagt haben, und ich schätze die Absichten der somalischen Regierung, aber wir haben nicht die Absicht, das Ultimatum zu verlängern, das in 27 Minuten auslaufen wird. Haben Sie Dank für Ihr Mitgefühl mit uns und den Passagieren. Ich wiederhole: Wir wollten kein Blut vergießen, wir wollten kein Blut vergießen, wir wollten wirklich kein Blut vergießen - aber das imperialistische faschistische westdeutsche Regime lehnte unsere Forderungen ab.
Deshalb bleibt uns keine Wahl. Sie kümmerte sich nicht um ihre Menschen, deshalb müssen wir das Flugzeug mit allen Menschen an Bord in die Luft sprengen. Haben Sie vielen Dank für Ihre Worte; hier sprach Captain Märtyrer Mahmud, Kommandeur der Einheit Märtyrerin Halima des Kampfes gegen den Weltimperialismus.
Da ist noch etwas. Bitte teilen Sie Präsident Siad Barre und der somalischen Regierung mit, daß wir Mitgefühl mit Ihnen haben über das, was an Ihren Grenzen zu den faschistischen Imperialisten des Regimes von Addis Abeba vorfällt.
Wir fühlen mit Ihnen, denn unser eigenes Regime kämpft gegen den Imperialismus, das heißt wir müssen zusammenhalten, Seite an Seite den Imperialismus und die Reaktion bekämpfen, und die Zionisten, die mit ihnen gemeinsame Sache machen.
TOWER: Märtyrer Mahmud, hier spricht noch einmal der Informationsminister. Ich verstehe, was Sie uns und dem Präsidenten sagen wollen. Können Sie uns bitte irgendwelche Vorschläge machen oder Alternativ-Vorschläge, damit wir in unserer Kabinettssitzung alle Möglichkeiten, andere als das Ultimatum, beraten können. Bitte geben Sie uns Ihre Vorschläge.
BOEING: Herr Informationsminister, leider gibt es keine Alternative, außer daß das Flugzeug in genau 23 Minuten gesprengt wird.
TOWER (Informationsminister): Sollten Sie und Ihre Freunde neue Vorschläge haben, werden wir zur Stelle sein. Sie verstehen doch, daß Ihre Forderungen außerhalb unserer Macht liegen. Wir können nur ein Mittler zwischen Ihnen und der deutschen Republik sein, deshalb bedenken Sie bitte in aller Ernsthaftigkeit, was wir Ihnen gesagt haben, und geben Sie uns eine Antwort. Aber vergewissern Sie sich bitte, daß alle Ihre Freunde der gleichen Meinung sind. Wir möchten, daß in diesem Land kein Blut vergossen wird.
BOEING: Eine Verlängerung des Ultimatums ist nicht meine Entscheidung, nicht die Entscheidung eines einzelnen, nicht die eines Mannes, der alles befehligt - nein, wir glauben an gemeinsame Führung. Wir haben gemeinsam die Entscheidung getroffen, das Flugzeug um zwei Uhr GMT zu sprengen. Ich weiß, daß es nicht in der Hand der somalischen Regierung liegt. Aber wir haben der deutschen Regierung genügend Zeit für eine Entscheidung gelassen. Aber der Vampir Helmut Schmidt lehnte unsere Forderungen ab; doch da wir ihm genügend Zeit gegeben haben, werden wir das Flugzeug in 20 Minuten sprengen.
Es gibt jetzt keine Alternative mehr. Ich danke Ihnen für Ihr Mitgefühl mit der Besatzung und den Passagieren, aber die einzige Seite, die jetzt Verantwortung trägt, ist das westdeutsche imperalistische Regime. Haben Sie vielen Dank, Herr Minister. (Pause)
TOWER: Hier spricht Mogadischu -Tower. Verstehen Sie uns?
BOEING: Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud.
TOWER: Verstanden. Da uns nur noch 15 oder 16 Minuten verbleiben, möchten wir Sie höflich bitten, uns noch 30 Minuten zu geben, um das Gebiet zu räumen, um von der anderen Seite des Flugzeuges alle Sachen und Menschen wegzubringen. Bitte, geben Sie uns diese Zeit.
BOEING: Da Sie das Gebiet nicht in einer Viertelstunde räumen können, akzeptiere ich, nur für den Herrn Präsidenten Siad Barre und die somalische Regierung und das somalische Volk, eine Verlängerung des Ultimatums um 30 Minuten. Haben Sie vielen Dank, Herr Tower. Wenn Sie das Gelände nicht in 15 Minuten geräumt haben, sagen Sie es mir bitte, damit ich die Gruppe fragen kann, ob die Möglichkeit besteht, das Ultimatum um noch einmal 30 Minuten zu verlängern.
TOWER: Märtyrer Mahmud, Botschaft empfangen. Nun möchte der Charge d'affaires der Deutschen mit Ihnen sprechen. Würden Sie freundlicherweise übernehmen, Sir.
BOEING: Nur für die somalische Regierung und das somalische Volk und für Herrn Präsidenten Siad Barre bin ich bereit, mit dem Vertreter des imperialistischen Regimes von Westdeutschland zu reden. Vertreter, sprechen Sie.
TOWER (deutscher Vertreter): Ich habe eine wichtige Nachricht für Sie. Ich werde sie sehr langsam durchgeben.
BOEING: Ich höre, Herr Vertreter des faschistischen imperialistischen Westdeutschland. Sprechen Sie und lesen Sie Ihre Botschaft vor.
TOWER (deutscher Vertreter): Wie Sie wissen, haben wir eine hohe Delegation meiner Regierung hier. Diese Delegation wird von einem Staatsminister geführt, der ein Vertrauter unseres Bundeskanzlers Helmut Schmidt ist. Dieser Staatsminister hat sich mit Präsident Siad Barre eingehend über die gegenwärtige Situation unterhalten. Haben Sie mich bis hierher gut verstanden? Ende.
BOEING: Die Botschaft ist sehr deutlich.
TOWER (deutscher Vertreter): Aufgrund dieser Unterhaltung ist es notwendig geworden, ein Telephongespräch mit dem Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland direkt zu führen. Haben Sie mich verstanden? Ende.
BOEING: Ich habe Sie bis jetzt sehr deutlich verstanden.
TOWER (deutscher Vertreter): Dieses direkte Gespräch mit dem Bundeskanzler ist nun technisch möglich. Aber Sie müssen bitte verstehen, daß dies wegen technischer Kommunikationsschwierigkeiten nicht so schnell geht. Haben Sie verstanden?
BOEING: Habe verstanden.
TOWER (deutscher Vertreter): Sobald dieses Gespräch zwischen dem Staatsminister und dem Bundeskanzler (zustandegekommen ist?), werden wir Ihnen mit Sicherheit eine neue und wichtige Nachricht geben. Haben Sie das verstanden?
BOEING: Ich habe verstanden. Aber Sie hatten für all das fast 96 Stunden Zeit. Sie geben in den letzten zehn Minuten nach - wie soll ich das von dem Vertreter des faschistischen imperialistischen westdeutschen Regimes akzeptieren?
TOWER (deutscher Vertreter): Sie wissen, daß unsere Regierung in engem Kontakt mit seiner Exzellenz, Präsident Siad Barre, bleiben muß und daß der Vertreter meines Landes auch mit der Regierung zu Hause in engem Kontakt bleiben muß. Verstehen Sie also bitte, daß diese Verbindung aus technischen Gründen noch hergestellt werden muß. Wir ... werden Sie bestimmt kontaktieren, sobald die Verbindung hergestellt ist. Ende.
BOEING: Wann, glauben Sie, wird die Verbindung hergestellt sein?
TOWER (deutscher Vertreter): Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich hoffe, es wird sobald wie möglich sein.
BOEING: Wenn es länger als bis zum Ende des Ultimatums dauert, wäre das bedauerlich.
TOWER (deutscher Vertreter): Das ist alles, was ich Ihnen derzeit sagen kann. Bitte warten Sie. Ende.
BOEING: Ich warte. Mogadischu-Tower, Mogadischu-Tower... Haben die Soldaten das Gelände geräumt? Haben Sie Flugzeuge oder alles, was der somalischen Regierung und dem somalischen Volk gehört, geräumt?
TOWER: Antwort negativ, Sir. Wir möchten das Gelände räumen. Wie Sie vorher sagten, möchten wir Sie noch einmal bitten, uns 30 Minuten zur Räumung des Geländes zu geben. Ende.
BOEING: Bitte tun Sie es so schnell wie möglich, denn ich wiederhole: Wir möchten dem somalischen Volk oder der somalischen Regierung keinen Schaden zufügen.
TOWER: Wir bitten Sie noch einmal höflich, Sir, uns 30 Minuten zum Räumen des Geländes zu geben.
BOEING: Ich werde dazu meine Gruppe, meine Einheit befragen.
TOWER: Tun Sie das, Sir.
BOEING: Seit Ende des Ultimatums sind nun fünf Minuten vergangen. Mit dem neuen Ultimatum bleiben noch 25 Minuten. Danke.
TOWER: Märtyrer Mahmud, haben Sie empfangen und werden übergeordnete Stellen unterrichten. Haben Sie vielen Dank für Ihre Kooperation, Märtyrer Mahmud.
BOEING: Hier spricht Mahmud. Das neue Ultimatum ist vor zwölf Minuten abgelaufen. Haben Sie alle Rollbahnen geschlossen?
TOWER: Nein, noch nicht. Wir werden räumen. Warten Sie, Sir.
BOEING: Versuchen Sie es bitte so schnell wie möglich.
TOWER: Ja, Sir. Wir danken Ihnen sehr für Ihre Kooperation. (Pause)
TOWER: Würden Sie bitte den deutschen Charge d'affaires noch einmal mit Ihnen sprechen lassen? Neueste Nachrichten.
BOEING: Das tue ich nur Ihretwegen, wegen Ihres Volkes, der somalischen Regierung und Herrn Siad Barre. Reden Sie, Vertreter des westdeutschen faschistischen Regimes.
TOWER (deutscher Vertreter): Herr Märtyrer Mahmud, hören Sie mich? Hier spricht der deutsche Charge d'affaires.
BOEING: Ich höre Sie sehr deutlich, denn mein Gehör ist sehr gut, Vertreter des westdeutschen faschistischen Regimes.
TOWER (deutscher Vertreter): Ich habe eine wichtige Nachricht für Sie. Wir haben gerade die Nachricht bekommen, daß die Häftlinge in den deutschen Gefängnissen, die Sie freigelassen haben möchten, hier nach Mogadischu geflogen werden sollen. Aber wegen der großen Entfernung zwischen der Bundesrepublik und Mogadischu können sie nicht vor dem Morgen hier sein. Außerdem sollten Sie einige Vorschläge machen, wie man mit der türkischen Regierung Kontakt aufnehmen könnte, da wir das nicht von hier aus machen können. Überdies: Wenn Sie Nahrung oder Getränke wünschen, lassen Sie es uns bitte wissen. Ende.
BOEING: Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud. Ich spreche Sie an, Vertreter des faschistischen, imperialistischen westdeutschen Regimes. Sie wagten, mich um eine Verlängerung des Ultimatums bis zum Morgen zu fragen - stimmt das, Herr Vertreter des deutschen Regimes?
TOWER (deutscher Vertreter): Im Prinzip stimmt das, da die Häftlinge, die hierher geflogen werden sollen, wegen der Entfernung zwischen der Bundesrepublik und Mogadischu nicht früher hier eintreffen können.
BOEING: Wie groß ist die Entfernung zwischen der Bundesrepublik und Mogadischu, Herr Vertreter des westdeutschen Regimes?
TOWER (deutscher Vertreter): Ich weiß es nicht genau, mehrere tausend Meilen, oder mehr.
BOEING: Genaue Antwort, denn ich kenne die Entfernung genau.
TOWER (deutscher Vertreter): Wiederholen Sie das bitte.
BOEING: Ich möchte eine präzise Antwort: Wie groß ist die Entfernung zwischen Mogadischu und Westdeutschland, denn ich kenne die Entfernung zwischen Mogadischu und der Bundesrepublik in Bonn genau.
TOWER (deutscher Vertreter): In Ordnung. Wir werden nachprüfen, wie groß die Entfernung ist. Ich werde es Sie wissen lassen. Ende. (Pause)
BOEING: Ich will mit dem Vertreter des imperialistischen westdeutschen Regimes sprechen.
TOWER: Warten Sie, Sir. Ich schicke jemanden, ihn zu suchen. Jetzt kommt er.
BOEING: Ich möchte eine Botschaft abgeben, damit ich die Entscheidung meiner Einheit in weniger als siebeneinhalb Minuten treffen kann, denn wir haben bis zum Ablauf des Ultimatums siebeneinhalb Minuten. Okay, Vertreter des westdeutschen Regimes.
TOWER (deutscher Vertreter): Wiederholen Sie, denn ich habe das nicht ganz verstanden.
BOEING: Reinigen Sie Ihre Ohren, und hören Sie genau zu. Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud. Sie sollen Ihre Botschaft in diesen siebeneinhalb Minuten durchgeben, damit ich entscheiden kann, ob ich warten will, bis meine Genossen hierherkommen, oder ob ich dieses Ultimatum aufrechterhalten will. Okay, wir haben nur noch siebeneinhalb Minuten.
TOWER( deutscher Vertreter): Ja, das ist okay. Bitte warten Sie. Herr Märtyrer Mahmud, hören Sie mich noch?
BOEING: Ich bin nicht Herr Märtyrer Mahmud, ich bin Captain Märtyrer Mahmud.
TOWER (deutscher Vertreter): Bitte, ich werde die Nachricht wiederholen, die ich vor zehn Minuten für Sie hatte. Die Häftlinge aus den deutschen Gefängnissen, deren Freilassung- Sie forderten, sind an Bord, und die letzten technischen Vorbereitungen werden getroffen, sie hier nach Mogadischu zu fliegen. Diese technischen Vorbereitungen und der Flug nehmen Zeit in Anspruch. Wir prüfen gerade, wie Sie verlangt haben, die genaue Entfernung zwischen der Bundesrepublik und Mogadischu. Wir rechnen aber damit, daß der Flug mit den Häftlingen nicht vor dem Morgen eintreffen wird.
BOEING: Ich verstehe Sie, aber ich glaube nicht, daß es so lange dauert, bis sie hier sind. Wir geben die Zeit hier in Ortszeit an. Wie spät ist es hier?
TOWER (deutscher Vertreter): Die Ortszeit hier ist jetzt 5.25 Uhr.
BOEING: Das stimmt, Vertreter des faschistischen imperialistischen westdeutschen Regimes. Und Sie bitten mich, das Ultimatum bis sechs Uhr morgen früh zu verlängern? Glauben Sie, es dauert 13 Stunden von Westdeutschland hierher? Das ist die Flugzeit von New York. Sie fliegen nur von Westdeutschland nach Mogadischu, und das dauert nicht so lange. Sie versuchen, mich zu betrügen.
TOWER (deutscher Vertreter): Ich habe nicht gesagt, daß Sie das Ultimatum bis sechs Uhr verlängern sollten. Ich sage nur, daß die Vorbereitungen, die Häftlinge zusammenzuführen, sie in ein Flugzeug zu bringen und sie nach Mogadischu zu fliegen, alles in allem bis zum Morgen dauern. Wenn es schneller geht, um so besser. Aber wir können nicht genau sagen, wie lange es dauern wird. Ende.
BOEING: Okay, noch vier Minuten bis zum Ende des Ultimatums. Wenn Sie uns täuschen wollen oder Spiele mit uns spielen wollen, ich ziehe es vor, mit Sprengstoff zu spielen. Aber wenn Sie es ernst meinen und sich um die Menschen an Bord dieses Flugzeuges sorgen, sind wir bereit zu verhandeln.
TOWER (deutscher Vertreter): Natürlich sorgen wir uns sehr um die Menschen in unserem Flugzeug. Wie Sie aus meiner Nachricht erfahren haben müssen, sind wir nun bereit, die Häftlinge hier nach Mogadischu zu fliegen. Ende.
BOEING: Okay, Sie sorgen sich, aber nicht Ihre Regierung. Sie wissen auch warum: Denn sie hatte 74 Stunden Zeit, und sie kümmerte sich nicht um die Lage der Gefangenen. Und Sie sorgen sich jetzt, weil Sie glauben, daß wir etwas zu tun versprochen haben und es auch tun werden. Und wenn Ihre Regierung des westdeutschen Regimes glaubt, es werde hier ein zweites Entebbe geben, dann träumen Sie. Sie wissen, was in Entebbe passierte, nicht wahr?
TOWER (deutscher Vertreter): Natürlich weiß ich, was in Entebbe geschah. Aufgrund der Information, die ich Ihnen gegeben habe, sollten Sie sicher sein, daß wir Sie sehr, sehr ernst nehmen.
BOEING: Okay, okay. Was schlagen Sie als nächsten Termin vor?
TOWER (deutscher Vertreter): Sie selbst haben sechs Uhr morgens erwähnt. Das wäre uns recht.
BOEING: Machen wir, machen wir. Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud, okay, sechs Uhr. Sie kriegen die Verlängerung, aber nicht über sechs Uhr. Warten Sie... Geben Sie diese Nachricht dem Vertreter des imperialistischen westdeutschen Regimes, daß das derzeitige Ultimatum in einer Minute ausläuft und ich Sie später informieren werde über ein neues Ultimatum. Zuerst will ich mit meiner Einheit verhandeln. (Pause)
Warten Sie, Vertreter des westdeutschen faschistischen imperialistischen Regimes. Wenn wir uns einig geworden sind, was wir meinen, werde ich Ihnen das neue Ultimatum sofort mitteilen. ... Verbinden Sie mich noch einmal mit dem Vertreter des imperialistischen deutschen Regimes.
TOWER: Verstanden. Captain Märtyrer Mahmud, hier spricht der Charge d'affaires der Bundesrepublik Deutschland, hören Sie mich? Ende.
BOEING: Warten Sie bitte. Wir verhandeln gerade. Wir kennen nun die Entfernung zwischen Frankfurt und hier, das sind 3200 nautische Meilen. Soweit wir wissen, dauert es etwa sieben Stunden von Frankfurt hierher, deshalb geben wir Ihnen noch einmal zehn Stunden, gerechnet ab 2.30 Uhr GMT. Haben Sie meine Entscheidung gehört, Vertreter des faschistischen imperialistischen deutschen Regimes?
TOWER (deutscher Vertreter): Soweit ich Sie verstanden habe, geben Sie uns alles in allem sieben, nicht zehn Stunden. Können Sie mir sagen, um wieviel Uhr das sein wird?
BOEING: Es wird nach zehn Stunden 0.30 Uhr sein.
TOWER (deutscher Vertreter): Ich verstehe, was Sie sagen, ich verstehe was Sie meinen. Wir sorgen uns sehr um die Passagiere und die Mannschaft dieses Flugzeugs, und deshalb frage ich Sie nun, ob wir für das Flugzeug irgend etwas tun können, sei es Nahrung, Getränke, Medizin oder Säuberung oder dergleichen. Sagen Sie uns bitte, welche Hilfe Sie im Flugzeug brauchen? Ende.
BOEING: Wir haben schon die Sprengsätze überall im Flugzeug angebracht und alle Sitze und den Boden des Flugzeuges mit Alkohol getränkt. Deshalb brauchen wir nichts. Wenn nur jemand in der Maschine eine Zigarette anzündet, wird alles vorbei sein; sie wird in tausend Stücke explodieren.
TOWER (deutscher Vertreter): Ich habe verstanden. 3.30 Uhr Ortszeit, nicht wahr?
BOEING: Es ist ein Zeitunterschied von drei Stunden, deshalb wird es genau 3.30 Uhr sein.
TOWER (deutscher Vertreter): Captain Märtyrer Mahmud, ich kann Ihnen im Namen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland mitteilen, daß wir diese Verlängerung Ihres Ultimatums mit Dankbarkeit annehmen. Ende. (Pause)
TOWER: Im Namen der Luftfahrtbehörde und des Towers danken wir Ihnen sehr, daß Sie Ihr Ultimatum verlängert haben, und wir werden Ihnen jede gewünschte Hilfe und Unterstützung zukommen lassen.
BOEING: Wir danken der somalischen Regierung Siad Barre, und wir haben in unserem Herzen tiefes Mitgefühl. Wir haben das Ultimatum aus zwei Gründen verlängert. Zum Wohle der Menschen an Bord und für Ihre Regierung, das Volk und den Präsidenten. Danke, Mogadischu Tower, danke.
Alle Menschen an Bord danken dem Volk und der Regierung und dem Präsidenten für ihre Bemühungen, sie mit allem in ihrer Macht Stehendem zu retten. Denn sie sagen, daß ihr eigenes Volk und ihre eigene Regierung sich einen Dreck um sie kümmert und die somalische Regierung alles in ihrer Macht Stehende getan hat.
TOWER: Okay, okay. Ich werde Ihren Dank, den der Passagiere und Ihrer Einheit dem Präsidenten Siad Barre und dem somalischen Volk weiterleiten. Und wir werden, möglichst vor Einbruch der Dunkelheit oder morgen früh, jemanden schicken, die Toilette zu säubern. Wir versuchen sehr, es vor Einbruch der Dunkelheit zu schaffen.
BOEING: Versuchen Sie es bitte vor morgen. Denn morgen früh läuft unser Ultimatum aus, und da braucht man keine Toilette mehr zu reinigen.
TOWER (deutscher Vertreter): Hier spricht Michael Lieball, Charge d'affaires. Können Sie mich hören?
BOEING: Ich höre.
TOWER (deutscher Vertreter): Captain, ich habe Ihnen eine Mitteilung zu machen bezüglich der Häftlinge in den türkischen Gefängnissen. Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht in der Lage, über die Befreiung von Häftlingen ausländischer Gefängnissse zu entscheiden. Das Ultimatum bis 0.30 Uhr GMT ist zu kurz, als daß es einen Flug über Istanbul erlauben würden. Sie können die Bundesregierung und die unschuldigen Passagiere an Bord des Flugzeuges nicht für das Problem der Freilassung von Häftlingen, die nicht in deutschen Gefängnissen sind, verantwortlich machen. Ende. Haben Sie verstanden? Dies ist, was ich Ihnen mitzuteilen hatte. Die Bundesrepublik Deutschland kann nicht über die Freilassung von Häftlingen aus ausländischen Gefängnissen entscheiden.
BOEING: Ich verstehe, aber mir gefällt nicht die Art, in der Sie mit mir sprechen. Okay?
TOWER (deutscher Vertreter): Wiederholen Sie bitte, ich habe Sie nicht verstanden.
BOEING: Ich habe Ihnen eine Frage gestellt. Beantworten Sie die Frage, fragen Sie mich nichts anderes.
TOWER (deutscher Vertreter): Wie war bitte Ihre Frage?
BOEING: Ist ein türkischer Botschafter erreichbar? Ich möchte den türkischen Botschafter in Mogadischu sprechen.
TOWER: Bitte warten Sie, bleiben Sie in der Leitung . . . Möchten Sie mit dem deutschen Charge d'affaires sprechen?
BOEING: Welche Entscheidung hat Ihre Regierung getroffen? Sie sollen mir endgültig sagen, wo unsere Genossen jetzt sind.
TOWER (deutscher Vertreter): Wir haben Ihnen die letzte Entscheidung meiner Regierung mitgeteilt. Das heißt, die Häftlinge werden nach Mogadischu gebracht; die technischen Vorbereitungen dazu sind fast abgeschlossen. Wir werden sehr bald einen Flugplan bekommen, den wir Ihnen später, wenn Sie interessiert sind, mitteilen werden.
BOEING: Natürlich möchte ich die jüngste Lage kennen.
TOWER (deutscher Vertreter): Okay, ich habe Ihnen etwas über die türkische Frage zu sagen. Möchten Sie diese Nachricht hören?
BOEING: Natürlich, reden Sie.
TOWER (deutscher Vertreter): Wie ich schon sagte, gibt es keine offizielle Vertretung der Türkei in Mogadischu. Der in Somalia akkreditierte Vertreter der Türkei hat seine Residenz in Jedda. Wir versuchen, ihn zu erreichen. Ende.
BOEING: Okay, danke, okay. Sie sprechen mich wieder an, wenn Sie neue Nachrichten über die Position der Genossen in Deutschland und Istanbul haben. Ende. (Pause)
TOWER (deutscher Vertreter): Ende. Ich werde Sie sofort kontaktieren, sobald ich Nachrichten über den Flug (ler Häftlinge nach Mogadischu habe. Ende.
BOEING: Verbinden Sie mich bitte mit dem Vertreter des faschistischen deutschen Regimes.
TOWER: Wir werden ihn rufen. Er ist unten. Warten Sie, Sir..
BOEING: Danke, Mogadischu-Tower.
TOWER (deutscher Vertreter): Haben Sie Fragen an mich?
BOEING: Was ist Ihre letzte Position, wir haben nur noch vier Stunden Zeit.
TOWER (deutscher Vertreter): Ja, Captain Mahmud, mir ist gerade gesagt worden, daß wir Verbindung mit der Regierung der Bundesrepublik Deutschland haben. Ich kann Ihnen folgende Nachricht übermitteln: Nach unserer Information ist die Lufthansa-Maschine um 19.20 Uhr GMT in Deutschland gestartet. Die Maschine sollte nach unseren Berechnungen um 4.08 Uhr GMT in Mogadischu landen. Wir erwarten nun von Ihnen konkrete Vorschläge über den Austausch der Geiseln. Ende.
BOEING: Das ist nach Ablauf des Ultimatums.
TOWER (deutscher Vertreter): Das verstehen wir, aber Sie wissen, daß es technische Schwierigkeiten gibt, die Häftlinge, die in ganz Deutschland in verschiedenen Gefängnissen einsaßen, zusammenzuführen. Dies ist die jüngste Meldung. Ich wiederhole: 4.08 Uhr GMT. Nun möchten wir von Ihnen hören, wie Sie sich den Austausch der Gefangenen und der Geiseln vorstellen. Ende.
BOEING: Ja, dazu muß ich etwas sagen. Vertreter des imperialistischen deutschen Regimes - die erste Auskunft, die Sie mir gaben, war völlig falsch? Haben Sie mich verstanden?
TOWER (deutscher Vertreter): Ich weiß nicht, was Sie meinen. Was war an meiner Auskunft falsch?
BOEING: Das Kommuniqué, das Sie uns heute nachmittag gegen zehn vor zwei GMT gaben, war falsch, weil Sie mir sagten, die Häftlinge, unsere Genossen, würden zusammengeholt, um nach Mogadischu geflogen zu werden. War das eine Täuschung oder nicht?
TOWER (deutscher Vertreter): Ich sagte nicht, daß die Häftlinge zusammengeführt worden wären; ich sagte, sie würden zusammengeführt, um nach Mogadischu geflogen zu werden. Wir können Ihnen hier nur das weitergeben, was wir von der Regierung in Deutschland hören. Wir haben selbst hier keine Vorstellung davon, welche Schwierigkeiten und Notwendigkeiten in Deutschland bestehen, alle zusammen hier nach Mogadischu zu fliegen. Ende.
BOEING: Damit hatten Sie gerechnet. Sie sollen die Zeit wiederholen, wann das Flugzeug in Mogadischu landen wird.
TOWER (deutscher Vertreter): Ich wiederhole: Wir erwarten, daß das Flugzeug um 4.08 Uhr GMT hier in Mogadischu landet. Ende.
BOEING: Okay, habe Ihre Meldung gehört, Vertreter des imperialistischen faschistischen deutschen Regimes. Warten Sie. Ich spreche Sie wieder an wegen des Austauschs der Geiseln. Aber es sollte ein somalischer Beamter dabei sein.
TOWER: Märtyrer Mahmud, hier spricht der Tower, hören Sie mich?
BOEING: Ja, ich höre Sie.
TOWER: Hier spricht General Abdullahi.
BOEING: Hier spricht Captain Märtyrer Mahmud, Commander of Operation, bitte machen Sie Ihren Vorschlag über den Austausch der Geiseln und unserer Genossen, denn wir trauen dem imperialistischen Regime nicht. Aber wir trauen Ihnen, weil Sie die somalische Regierung und die Somalische Demokratische Republik sind. Der westdeutsche Vertreter sagt, daß alle Genossen in westdeutschen Gefängnissen gesammelt werden und daß sie um 10.14 Uhr Ortszeit hiersein werden, das heißt um 4.20 Uhr britische Zeit. Ich möchte wissen, ob Sie und die somalische Regierung das versprechen können.
TOWER: Der Botschafter hat uns gesagt, daß das Flugzeug Deutschland um 19.20 Uhr GMT verlassen hat und daß es um 4.08 Uhr in Mogadischu sein wird. (Pause)
TOWER: Es gibt immer, was wir force majeure nennen, etwas, das wir nicht ändern können. Deshalb glaube ich, es ist vertretbar, eine Stunde Verzögerung hinzunehmen. Okay?
BOEING: Okay, okay. Ich akzeptiere das. Wenn Sie, General, und die somalische Regierung garantieren können, was der Vertreter des imperialistischen faschistischen deutschen Regimes mir gesagt hat.
TOWER: Der Botschafter sagte uns, daß es keinen Grund gäbe, seine Worte anzuzweifeln. Ende.
BOEING: Wir mißtrauen dem imperialistischen Regime, denn wir haben damit Erfahrung.
TOWER: Ich meine, es ist richtig, wir sollten warten. Ende.
BOEING: Ist der deutsche Vertreter da?
TOWER: Er ist nicht hier. Wir rufen ihn, warten Sie, Sir ... Der deutsche Vertreter ist bereit, wie Sie verlangten ...
TOWER (deutscher Vertreter): Hier spricht Michael Lieball. Captain Mahmud, haben Sie eine neue Nachricht für mich? Ende.
BOEING: Ich möchte mich über die Position erkundigen, die wir mit der türkischen Botschaft in Jedda besprachen. Würden Sie mich bitte informieren?
TOWER (deutscher Vertreter): Captain Mahmud, wir haben versucht, die türkische Botschaft in Jedda zu erreichen, aber wegen Leitungsschwierigkeiten ist uns das bisher nicht gelungen. Ende.
BOEING: Okay. Versucht, sie zu erreichen. Inzwischen werde ich alles für den Austausch vorbereiten und, wie der General der somalischen Regierung sagte, nach dem Start des Flugzeuges von Kairo neue Anweisungen geben. Haben Sie mich verstanden, Vertreter?
TOWER (deutscher Vertreter): Ich habe Sie verstanden. Nach dem take off in Kairo werden wir Ihre Vorschläge besprechen.
BOEING: Jawoll, jawoll, Vertreter des imperialistischen faschistischen westdeutschen Regimes. Bitte, nehmen Sie Kontakt auf mit der türkischen Botschaft in Jedda.
TOWER (deutscher Vertreter): Ja, wir versuchen es. Ende.
BOEING: Jawoll. Haben Sie mir etwas zu sagen, Vertreter?
TOWER (deutscher Vertreter): Nein, im Moment keine weiteren Informationen für Sie. Sobald etwas kommt, werde ich Sie ansprechen. Ende ... (Pause)
TOWER (deutscher Vertreter): Captain Märtyrer Mahmud, hier spricht Michael Lieball, Vertreter der Bundesrepublik Deutschland, hören Sie mich? Captain Mahmud, ich habe eine Meldung für Sie. Das Flugzeug wird Kairo um 23.15 Uhr GMT verlassen. Nun möchte ich Sie fragen, Captain, ob Sie konkrete Vorschläge für den Austausch der Geiseln - wie vorher besprochen - haben. Ende.
BOEING: Okay, aber warten Sie. Es soll ein somalischer Beamter bei Ihnen sein.
TOWER: Warten Sie, der übergeordnete somalische General kommt jetzt ...
BOEING: Erstens: Wir wollen keine Presse oder Fernsehkameras beim Austausch. Zweitens: Was ist mit den Genossen, die aus Deutschland kommen? Drittens: Wir wünschen, daß der Vertreter Somalias das Flugzeug, das jetzt auf dem Rollfeld in Mogadischu steht, untersucht und sicherstellt, daß dort niemand an Bord ist.
TOWER: Welches Flugzeug bitte?
BOEING: Das die Delegation gestern brachte. Weiter fordern wir, daß die somalischen Streitkräfte das Lufthansa-Flugzeug auf dem Rollfeld umzingeln.
TOWER: Die Maschine, von der Sie gerade sprachen?
BOEING: Nein, ich spreche von der, die gerade ankommt. Drittens: Niemand darf die beiden Lufthansa-Maschinen verlassen.
TOWER: Verstanden, verstanden.
BOEING: Niemand darf der von der Halima-Einheit befehligten Lufthansa-Maschine nahekommen - es sei denn mit vorheriger Erlaubnis.
TOWER: Verstanden.
BOEING: Wenn die Deutschen, zweitens, landen, um unsere Genossen zu bringen, müssen Sie uns darüber vorher informieren.
TOWER: Ja, verstanden.
BOEING: Also los. Sie sollen einzeln auf das Flugzeug zugehen, sie sollen von somalischen Vertretern durchsucht werden.
TOWER: Verstanden.
BOEING: Weiterhin soll das Flugzeug, das die Genossen bringt, den Flugplatz sofort nach unserer Aufforderung verlassen, hier abhauen ... Der Befehlshaber der Einheit Märtyrerin Halima wird einen der Genossen auffordern, an unser Flugzeug zu kommen zur Identifizierung, um damit der anderen Genossen sicher zu sein.
TOWER: Verstanden.
BOEING: Nach dieser Untersuchung wird der Genosse zu den somalischen Stellen zurückgehen auf den Flughafen.
TOWER: Verstanden.
BOEING: Drittens werden wir weitere Vorkehrungen treffen mit den Genossen, die aus der Türkei kommen.
TOWER: Wiederholen Sie das.
BOEING: (Wiederholt.)
TOWER: Verstanden, wenn die kommen ...
(Das GSG-9-Kommando ist an Bord.)

DER SPIEGEL 49/1977
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