05.02.2005

TV-Vorschau

Das Internat Schloss Salem
Montag bis Freitag, 20.15 Uhr, Arte
"Plus est en vous" ("In euch steckt mehr") war die Devise des Salem-Begründers Kurt Hahn (1886 bis 1974). In diesem Geist die 680 Schüler der Eliteschule am Bodensee zu erziehen, bemühen sich die Pädagogen von heute. Es ist ein Kampf gegen die Wohlstandsverwahrlosung, wie die fünfteilige Doku-Soap von Florian Fickel eindrucksvoll zeigt. Der Autor steuert direkt auf knifflige Erziehungssituationen zu: Wie soll die Mentorin der Mittelstufe mit den Querelen im "Zickenzimmer" fertig werden, wo drei Mädchen einen Kleinkrieg gegeneinander führen? Wie kontrolliert man das Alkohol- und Drogenverbot? In Salem wird nicht nur auf Ehrlichkeit, sondern auch auf Pusteröhrchen und Urinkontrolle vertraut. Eliteschule, so entzaubert Fickel den Mythos, ist eine raue Angelegenheit, der Dienst in der Wäschekammer, das Mülltrennen, Phasen des Schweigens beim Essen, der tägliche Morgenlauf gehören dazu.
Familie Sonnenfeld - Ein Fall für Mama
Donnerstag, 20.15 Uhr, ARD
Mutter Sonnenfeld (Marion Kracht) im Stress: der Haushalt, der lieblose Mann (Helmut Zierl) und die Schwiegermutter (Rosemarie Fendel), die einem Heiratsschwindler aufgesessen ist. Bei einer Motorradtour mit dem Sohn (Jonas Laux) kann das Schlimmste verhindert werden. Klingt konventionell, ist aber dank guter Beobachtung und eleganter Ironie (Buch: Markus Mayer, Regie: Christine Kabisch) unterhaltsam.
ARD-exclusiv: Aufstand der Putzfrauen
Freitag, 21.45 Uhr, ARD
Jeden Tag im Morgengrauen machen sie sich auf, um für knapp acht Euro die Stunde in Hamburg Gebäude zu schrub- ben: 30 Putzfrauen aus Mecklenburg-Vorpommern, die zufrieden sind, überhaupt Arbeit zu haben. Als ihre Reinigungsfirma von einem auf den anderen Tag Pleite geht, geben sie nicht auf. Sie jagen ihren Chef, verhandeln mit einem Anwalt und machen schließlich Pläne, selbst eine Reinigungsfirma zu gründen. Monika Schäfer begleitete die Gruppe bei ihrem heroischen Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Resignation, der trotz allem am Ende an der Realität des Hartz-IV-Deutschland scheitert.
Dunkle Wasser
Freitag, 22 Uhr, WDR
Stan Moereels (Jan Decleir) ist Fährmann in einem idyllischen Dorf in Belgien. Aber sein Leben ist nicht so beschaulich, wie es scheint, denn er trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum. Als er eines Tages tot im Wasser gefunden wird, bezweifelt seine Pflegetochter Jana, dass es ein Unfall war. Während sie noch ihre Untersuchungen anstellt, wird ein Abschiedsbrief gefunden: Das Gewissen ihres Vaters plagte etwas, was "schlimmer ist als Mord". Die erste der insgesamt 13 Folgen der Serie bereitet stimmungsmäßig das Hauptthema vor: Kindesmissbrauch. "Dunkle Wasser", inzwischen mehrfach preisgekrönt, hatte im Belgien der Nach-Dutroux-Ära einen beachtlichen Erfolg und traf offensichtlich genau die Gefühlslage der Bevölkerung.
Tatort: Schürfwunden
Sonntag, 20.15 Uhr, ARD
Die Geschichte führt die Kölner Kommissare (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) in eine rheinische Ortschaft, die dem Braunkohlenabbau geopfert wird. Leider verstehen es Regisseur Niki Stein und sein Co-Autor Frank Posiadly nicht, mit dem depressiven Flair eines solchen Schauplatzes zu beeindrucken. Unentwegt düsen Polizeiautos mit Blaulicht durch die Szene, und die Kamera kann gar nicht genug von Leichen, abgesägten Daumen und tierischem Fleisch kriegen. Aufgeregtheit fressen Seele auf.

DER SPIEGEL 6/2005
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