01.02.1947

Südafrika will feiern

Bis in alle Einzelheiten war das Programm für die Reise der englischen Königsfamilie nach Südafrika festgelegt Worden. Das Hofmarschallamt hatte ganze Arbeit geleistet. Die Fahrt der Staatskarossen vom Buckingham-Palast zum Waterloo-Bahnhof war mit den Vorreitern und der Ehreneskorte der Königlichen Garde vorher geprobt worden.
So mußte alles klappen, als am Nachmittag des 31. Januar die Staatsreise ihren Anfang nahm. In der ersten der Karossen fuhren der König und die Königin und die Prinzessinnen Elisabeth und Margaret Rose durch die Straßen Londons. In drei weiteren Wagen folgten ihnen die 29 auserwählten Mitglieder des Haushalts und des Stabes. Auf dem Waterloo-Bahnhof empfingen die Königin-Mutter Mary und der Herzog von Gloucester, der von Australien herübergekommen war, um den
König während der Abwesenheit von London zu vertreten, die königlichen Reisenden.
Im Sonderzug ging es nach Portsmouth. Während die Schiffsgeschütze den Königssalut feuerten, ging die Königsfamilie an Bord des neuesten und größten Schlachtschiffes der englischen Flotte, des 42 500-Tonners "Vanguard". Eskortiert von kleineren Flotteneinheiten und Flugzeugen der Luftwaffe, begann die Reise über eine Strecke von rund 10000 Kilometern.
Wie London den Start bis ins kleinste vorbereitete, so hat die Regierung des Feldmarschalls Smuts alles getan, um die hohen Besucher würdig zu empfangen.
Am 17. Februar werden die Gäste in Kapstadt erwartet. Am 21. wird der König das Südafrikanische Parlament formell eröffnen. Eine Reise durch das Land schließt sich an. Im Sonderzug, im Flugzeug und im Kraftwagen soll es über
15000 Kilometer bis zum Sambesi-Fluß und zu den Victoria-Fällen gehen: Häfen, Diamantgruben, Goldminen, Nationalparks stehen auf der Liste der Ausflugsorte. Auch drei riesige Volksversammlungen sind vorgesehen, auf denen unter anderem 50 000 Zulus im Federschmuck und in Leopardenfelle gehüllt, dem König mit ihrem Gruß "Bayete!" huldigen werden. Für die Eingebbienen werden diese Meetings großen Volksfesten gleichen: Dutzende von Ochsen sollen am Spieß gebraten werden, und einheimisches Bier wird in Strömen fließen.
Die Universität Kapstadt hat eine besondere Ehring für die Königin vorgesehen. Die juristische Fakultät wird ihr das Ehrendoktor-Diplom überreichen. Einhoher Festtag soll der 21. April sein, an dem die Prinzessin Elisabeth, die einmal Königin von England sein wird, 21 Jahre alt wird.
Ein Geschmeide von 48 Brillanten wird die Südafrikanische Union der Prinzessin zum Geschenk machen. Sechs Wochen lang hat Hermann Turk, ein Johannisburger Diamantenschleifer, der ursprünglich belgischer Herkunft ist, an dem Schmuckstück gearbeitet. "Es sind die schönsten blauen und weißen Diamanten, die ich jemals gesehen habe", sagte Turk selbst von den Edelsteinen, die ihm zur Verarbeitung anvertraut sind.
Wenn am 24. April die Königsfamilie wieder auf dem Schlachtschiff "Vanguard" zurückfährt, dürften die Südafrikaner noch lange von dem Staatsbesuch aus London zehren. Der politische Alltag aber wird auch dann noch die gleichen Forderungen stellen, die er heute erhebt. Feldmarschall Smuts hat sie soeben dem Parlament dargestellt. Die Südafrikanische Union denkt gar nicht daran, die Empfehlungen der UNO zu befolgen und das frühere Deutsch-Südwest-Afrika einer internationalen Treuhänderschaft zu unterstellen.
In England begann es mit
Generalprobe der Staatskutsche vor Big Ben
In Südafrika werden die
königlichen Gäste bei Familie Smuts wohnen

DER SPIEGEL 5/1947
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