01.02.1947

„Daumen nach unten“

Der bekannteste Gangster, der je aus
Chikagos Unterwelt hervorging, Al Capone, ist im Alter von 48 Jahren in seinem Palast in Miami auf Florida gestorben.
Der Gewaltige, dessen Alarmzeichen. "Daumen nach unten" den Tod vieler seiner Rivalen bedeutete, der einen neuen Gangster-Wortschatz schuf, machte sich, entgegen seinen Gewohnheiten, ganz still davon. Mae, seine Frau, hielt treu wie im Leben, auch an seinem Sterbebett aus.
Seine Laufbahn begann er als Barmann in Coney Island. Gangster wurde Capone nur "aus Versehen", als er glaubte, einen Menschen umgebracht zu haben und sich auf der Flucht in Chikago einer Bande anschloß. Schnell avancierte er zur Leibwache von Johnny Torrio, dem damaligen Gangsterkönig. Als Torrio der Verbrechen überdrüssig wurde, sprang Capone ein und wurde, laut seiner Zahlliste, ungekrönter König von 6000 Gangstern in Chikago.
Acht Jahre lang konnte die Regierung ihm nichts nachweisen, obwohl sie wußte, daß Capone bei 500 Morden seine Hand
im Spiele hatte. Was war der Grund? 60 Prozent der Polizei Chikagos arbeitete mit den Gangstern zusammen:
Wie ein Prinz lebte "Das Narbengesicht", wie man ihn wegen seiner Stirnnarbe nannte, in seinem 20-Zimmer-Palais. Er hatte ein Thronzimmer, wo er die Politiker empfing, ein eigenes Flugzeug, eine Motorjacht. Von diesem Paradies in Miami aus dirigierte er seine Blitzkriege, die ihm in seiner Blütezeit jährlich 25 Millionen Dollar einbrachten.
Sein Abstieg begann 1929, als er wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Nach seiner Entlassung schloß er einen Vertrag mit einer Konkurrenzbande und ließ die Gebäude aller Firmen bombardieren, die nicht mehr zahlen wollten.
Man war sich jetzt einig, Al Capone mußte gehen. Da keine Beweise aufgetrieben werden konnten, verurteilte man ihn 1931 wegen Steuerhinterziehung von 250 000 Dollar zu elf Jahren Gefängnis, die er im Atlanta-Gefängnis und auf Alcatraz abbüßte.
In den letzten sieben Jahren wurde es stiller um ihn. Er war das hoffnungslose Opfer der Paralyse geworden.
So sündige Taten Al Capone beging, so reumütig bekannte er sich zu seinen Verfehlungen. Außer seiner Frau weilte der Geistliche an seinem Lager, der ihn in seinen letzten. Stunden der Segnungen der Katholischen Kirche teilhaftig werden ließ. Ein großer Verbrecher starb als guter Christ.
Al Capone
Ein Gangster starb den Strohtod

DER SPIEGEL 5/1947
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