01.02.1947

Wellen der Erregung um Welle 332

Die Kölner wollen ihre eigene Welle.
Sie sind des Hamburger Tons im Nordwestdeutschen Rundfunk nun gründsich satt.
Der Nordwestdeutsche Rundfunk in Hamburg hat zwei Filialen: Eine ältere in Köln, eine jüngere in Berlin. Zu dritt bestreiten sie ein Gemeinschaftsprogramm auf einer Welle. Das heißt in der Programmgestaltung: teilen. Teilen fällt immer demjenigen schwer, der abgeben soll. Und Hamburg soll abgeben, fordern die erzürnten Kölner.
Am ersten Weihnachtsfeiertag beispielsweise durften die Hamburger elf Funkstunden gestalten, die Berliner fünf und die Kölner eindreiviertel. Das Verhältnis ist inzwischen freilich ein wenig ausgeglichener geworden. Am Samstag steht es vierzehn zu vier für Hamburg. Man hört mithin viel zuviel aus Hamburg und viel zuwenig aus Köln, sagt man in Kölns
Die Wellen der Erregung um die Hamburger Welle (332 m) schlagen hoch. Der Chef des Kölner Nachrichtenamtes, Dr. Hans Schmitt, kämpft mit spitzer Feder gegen die Hamburger Funkmannschaft:
"Köln muß heraus aus dem Hamburger Zentralisinus, heraus aus der Bevormundung." Köln fordert wieder, eine eigene Welle, und solange das, nicht erreichbar ist, feste, eigene Stunden im Tagesprogramm.
Köln fährt jetzt Geschütze schwerster Kritik an den Hamburger Sendungen auf. So heißt es bei Dr. Schmitt in der "Rheinischen Zeitung": "Gewisse jugendliche Debütanten, die jetzt mitdirigieren dürfen, drückten noch die Schulbank, als.."
Und: "In Hamburg haben sie einen Tick. Funkisch nennen sie das, die funkische Form. Sie ist absoluter Unsinn". Funkisch dünke den Hamburgern beispielsweise das Zwiegespräch, die Unterhaltung zu zweit und zu dritt.
"Schön, einmal läßt man es sich gefallen. Jetzt aber wimmelt es von Disputen am runden Tisch, die auch oft recht unbeholfen und, unreif sind ...
"Wir wollen in idealen Wettstreit treten, Hamburg und Köln, dann können wir uns kameradschaftlich die Hand geben. Nicht eher ist die Atmosphäre entgiftet."
So schließt der Kölner Nachrichtenmann.

DER SPIEGEL 5/1947
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