01.02.1947

Gruselei mit Plüsch

Es blieb etwas zurück ..." heißt der neue englische Film, der in Hamburg läuft. Es blieb zurück ein zum Teil amüsiertes, zum Teil verschnupftes Publikum.
Es geistert wieder auf der Leinwand. Die Engländer haben anscheinend einen unerschöpflichen Vorrat an Gruselhäusern und eine starke Schwäche für Gänsehaut.
Eine Ueberraschung bringt dieser Film. Zwei der charakteristischen Darsteller der
englischen Leinwand zeigen sich von einer neuen Seite: Margaret Lockwood und James Mason. Sie wissen der Schablone zu entschlüpfen. Die dunkelrassige Schönheit der Lockwood schlüpft in die Maske eines empfindsamen Fräuleins. Der untergründige Mason ist kaum wiederzuerkennen als Rentier und Biedermann.
Es geschehen Dinge zwischen Himmel und Erden und in Geisterfilmdrehbüchern, von denen unsere Schulweisheit sich nichts träumen läßt. Hier jedenfalls findet eine junge Dame keine Ruhe, die vor vierzig Jahren gewaltsam ins Jenseits befördert wurde.
Sie begnügt sich nicht damit, als Eiseshauch durch das verwunschene Haus zu rauschen und unsichtbar Klavier zu spielen. Es ist eine durchaus boshafte junge Dame, die sich des Fräuleins Annette (Margaret Lockwood) bemächtigt. Sie weckt in ihr einen schon vierzig Jahre verjährten Liebeswahn, bis nahe an die Grenze des Irrsinns.
Der tote Liebhaber erscheint als deus ex machina. Er hat so viel Verständnis für die Lebenden, daß er dem Spuk ein Ende bereitet. Ueber dem verwunschenen Haus scheint wieder die Sonne.
Sehr nett ist von Bernhard Knowles die englische Landhausatmosphäre getroffen. Im Kostüm der Jahrhundertwende, mit dem ersten Automobil als Requisit, mit Plüsch und Makartsträußen bekommt dieser Gruselfilm den Rahmen eines etwas verstaubten Romans von Anno dazumal. Vor dem Zubettgehen zu lesen.
Eine durchaus boshafte junge Dame bemächtigte sich des Fräuleins Annette *)
*) Margaret Lockwood und James Mason in "Es blieb etwas zurück".

DER SPIEGEL 5/1947
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