01.02.1947

Nachtigallen singen zur Hochzeit

Der neue französische Film, der jetzt in
Berlin gezeigt wird, heißt "Der Nachtigallenkäfig". Die Nachtigallen sind nicht, was mancher sich darunter vorstellen mag. Im Gegenteil, es sind die schwer erziehbaren Jungen eines Waisenhauses.
Der Direktor des Waisenhauses ist von der Unverbesserlichkeit dieser rüden Bengel überzeugt. Er regiert mit eiserner Strenge. Er verhöhnt die philantropischen Ideen eines neu eintretenden Hilfslehrers.
Der ist kein Philantrop, nur schüchtern. Er glaubt an das Menschenherz, weil er selbst eines hat.
Er kriegt dann natürlich auch das Mädchen, das er liebt. Und die Nachtigallen singen freiwillig zur Hochzeit. Und dann schreibt er das alles nieder. Und wird ein berühmter Schriftsteller.
Das könnte eine Lesebuchgeschichte sein. Ist, es aber nicht. Es ist psychologisch alles ganz richtig. Es ist auch keine soziale Anklage. Es ist nichts als: So etwas gibt es.
Eine komische Rahmenhandlung dient dazu, das Ganze mit fast diskreter Distanz zu behandeln. So ganz nebenbei ist hier ein kleines filmisches Meisterwerk entstanden. Ganz unaufdringlich, ohne Gehabe, einfach schön.
Der kultivierte Regisseur heißt Jean Dreville, sein reizender Hauptdarsteller Noel-Noel. Die ungeschminkten Bengel kommen aus einem französischen Knabenchor. Sie sind "les petits chanteur à la Croix de Bois".
Der Herr Lehrer, der ein berühmter Schriftsteller wird (Noel-Noel in 'Nachtigallenkäfig')

DER SPIEGEL 5/1947
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Titelbild
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