26.11.1979

PERSONALIENRudolf Hanauer, Hans Herrmann Weyer, Eduard Pestel, Heribert Burkert, Volker Hauff

Rudolf Hanauer, 71, früherer Präsident des Bayerischen Landtags, will seinen bajuwarischen Landsleuten zu einem neuen Dokument verhelfen -- dem Bayernpaß. Der Alt-Parlamentarier forderte jetzt die Einführung der "bayerischen Staatsangehörigkeit", die, nicht nur nach Hanauers Meinung, die im südlichsten Bundesland immer noch breit vorhandene bayrische Staatsgesinnung festigen und fördern könne. Die Bedeutung seines Landes will Hanauer noch durch eine andere Maßnahme unterstrichen sehen: Er regte an, Bayern eine eigene Vertretung bei der EG in Brüssel zu geben.
Hans Herrmann Weyer, 41, "Sonderbotschafter von Liberia", der im allgemeinen anderen Leuten gegen Bares zu klingenden Titeln verhilft, verschaffte sich am vorletzten Sonntag selber neuen Glanz: Weyer ließ sich im Münchner Hilton-Hotel zum Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten der neugegründeten "Deutschen Freiheitspartei" (DFP) küren. Umgeben von einem Troß junger Wahlhelferinnen, die das Motto "Wählt Weyer" auf der Brust trugen (Photo), nahm der Titelhändler das Abstimmungsergebnis des DFP-Gründungsparteitages entgegen -- 123 von 137 abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn. Weyer will sich nun für den Bundestagswahlkampf 1980 rüsten, sein Konterfei soll auf zweieinhalb Millionen Plakaten um Wählergunst werben. Weyers Ziel für 1980: drei bis vier Prozent Stimmenanteil. Noch optimistischer klingt die politische Standort-Beschreibung des DFP-Vorsitzenden: "Wir sind weder links noch rechts, noch in der Mitte, sondern oben."
Eduard Pestel, 65, niedersächsischer Wissenschaftsminister (CDU), mochte ein Geschenk des linken Bremer Juristen und ehemaligen "Konkret"-Verlegers Klaus Hübotter nicht annehmen. Weil Pestel auf Druck seiner Parteifreunde dem hannoverschen Kabarettisten Dietrich Kittner einen vorgesehenen 10 000-Mark-Zuschuß für dessen "Theater an der Bult" (tab) gestrichen hatte, stiftete Hübotter der niedersächsischen Landesregierung ein tab-Jahresabonnement (114 Mark), damit Pestel Gelegenheit habe, sich selbst einmal ein Bild vom Programm der angeblich zu linkslastigen Kleinkunstbühne zu machen. Pestel ("Ich verdiene gut genug") verzichtete auf die Gratis-Karten.
Heribert Burkert, 25, Graphiker aus Fulda, mußte an den Teufel Hand anlegen. Burkert hatte der Bundespost einen Entwurf für die neue Sonderbriefmarke mit "Doctor Johannes Faust"-Motiv eingereicht -- eine abgewandelte Faust-Mephisto-Szene nach einem Holzschnitt aus dem Jahre 1616. Bedenklich stimmte den Kunstbeirat der Post nur der erigierte Penis des Satans -- er ragte den Sachverständigen zu weit ins Bild (Abb., o.) und sollte daher, so die Sachverständigen, "unaufffälliger gestaltet werden". Der Künstler folgte der Auflage der Jury und beschnitt den Gehörnten "um schätzungsweise vier Zentimeter" (Abb., u.). Volker Hauff, 39, Bundesforschungsminister, geriet bei seinem Chinabesuch in der vergangenen Woche mit einem Privatwunsch auf diplomatisches Glatteis. Der Sozialdemokrat hatte seinem Pressereferenten Thilo Schmidt eine Flasche Whisky für den Fall ausgelobt, daß Schmidt es schaffe, einen Agenturphotographen dazu zu überreden, Hauff vor der Pekinger "Mauer der Demokratie" abzulichten, an der täglich Tausende Chinesen die Wandzeitungen von Regimekritikern studieren. Als Bonns Peking-Botschafter, Erwin Wickert, von dem Photo-Vorhaben erfuhr, redete er dem Minister die Aktion schleunigst aus -- sie könne als Sympathie-Demonstration für die Staatskritiker mißverstanden werden und so Bonns diplomatischen Bemühungen schaden. China-Besucher Hauff kam dennoch zu einem originellen Erinnerungsphoto: Ein Bildberichterstatter knipste den deutschen Minister vor dem Gästehaus der chinesischen Regierung in Peking, an dem das Mao-Wort "Dem Volke dienen" prangt (Photo).

DER SPIEGEL 48/1979
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