22.10.1979

URTEILTheo Albrecht

Theo Albrecht, 57, Chef der Essener Discount-Gruppe "Aldi", der 1971 entführt und gegen ein Lösegeld von sieben Millionen Mark wieder freigelassen wurde, muß das noch immer verschwundene Restlösegeld von knapp vier Millionen Mark versteuern. In einem Musterprozeß vor dem Düsseldorfer Finanzgericht wollte der Millionär durchsetzen, daß er seinen materiellen Schaden fiskalisch absetzen kann -- ein Verfahren, an dessen Ausgang nicht nur Albrecht, sondern auch andere Großunternehmen wie die "Ratio"-Kette der Snoeks oder die Oetkers lebhaftes Interesse hatten: Familien, die 5 und 21 Millionen Mark an Kidnapper zahlen mußten. Ein Gutteil des Albrecht-Lösegeldes, mehr als drei Millionen Mark, ist nach der Festnahme der Täter Heinz-Joachim Ollenburg und Paul Kron (1972) wieder aufgetaucht. Doch der Rest fehlt Albrecht und seiner Firma noch heute. Deshalb drängten der Aldi-Chef, aber auch die Familien der entführten Hendrik Snoek und Richard Oetker darauf, solche Summen als Betriebsausgaben anzuerkennen, die dann voll absetzbar wären. Die Finanz-Richter hingegen halten die Albrecht-Entführung für dessen Privatsache. So kann er lediglich das unauffindbare Lösegeld als "außergewöhnliche Belastung" bei der Einkommensteuererklärung ausweisen.

DER SPIEGEL 43/1979
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