16.04.1979

Wilps Portrait von Dazzledorf

Für 148 Mark offeriert Charles Wilp, rheinischer Meister der Selbstreklame, einen "Abschnitt seines Schaffens über eine Stadt, die er liebt und mitgeprägt hat": "Dazzledorf", so der Titel seines jetzt im Melzer-Verlag erschienenen Bildbands, porträtiert des Autors Schaffensstätte Düsseldorf als Schauplatz eines nimmer endenden Prominenten-Karnevals. Wer immer, mit Geld oder Glamour gesegnet, in den letzten 20 Jahren die Altbier-Metropole betreten hat, geriet offenbar unweigerlich vor Wilps Kamera. Doch ob Haile Selassie, Gabriele Henkel, Pandit Nehru oder Berthold Beitz (Wilp: "Bestaussehendster deutscher Mann seit Herrmann dem Cherusker") -- alle werden überragt von den heiden stets verkleideten Düsseldorfer Dioskuren Charles Wilp und Joseph Beuys. Den "Filz- und Fettplastiker des Fluxus" zeigt Wilp, selber allzeit im Overall. auch mal ohne Hut, dann allerdings ohne Haupthaar. Zwischen seine teils exzellenten, teils verschmockten Photos streut "CW", mehrsprachig, tollkühn hingestammelte Kommentare; sie würdigen etwa die Ruhrstahl-Manager als "heads of steel" und den Düsseldorfer Heimatdichter Hans Müller-Schlösser, Autor des Lustspiels "Schneider Wibbel", neben Tennessee Williams und Bertolt Brecht als "one of the most played playrights of the world" -- Heinrich Lübke läßt grüßen: Overall ist Dazzledorf!

DER SPIEGEL 16/1979
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