23.05.2005

POLITIKER„Drei Schläge an die Tür“

Der stellvertretende Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz, 49, über seine Ausweisung aus Kuba am vergangenen Freitag
SPIEGEL: Als Mitglied des "Internationalen Komitees für Demokratie in Kuba" haben Sie sich seit Pfingstmontag mehrfach mit kubanischen Dissidenten getroffen. Was lief am Donnerstag schief?
Vaatz: Ich weiß es nicht. Wir kamen gerade von einem Treffen mit Oppositionellen in einer Kirche in Pinar del Río im Westen Kubas zurück. Um 17.45 Uhr gab es drei kurze Schläge an die Tür meines Hotelzimmers, davor standen ein Polizist, ein Zivilpolizist und eine Angestellte aus dem Hotel. Ich war im Bademantel, musste meinen Pass und meine Flugtickets abgeben. Ein Anruf zur deutschen Botschaft wurde mir verweigert, ich musste sofort meine Tasche packen und mitkommen. Eine Begründung gab es nicht.
SPIEGEL: Wurde Ihnen gesagt, wo die Reise hingehen würde?
Vaatz: Nein. Es ging sofort in die Tiefgarage, wo ich eine Stunde warten musste. Dann brachten sie den tschechischen Senator Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg, auch in Begleitung der Polizei. Mit dem Auto fuhren sie uns zum Hintereingang des Flughafens von Havanna. Um 23 Uhr wurde ich in einen Linienflug der Iberia nach Madrid gesetzt.
SPIEGEL: Fühlten Sie sich an Ihre Zeit als Dissident in der DDR erinnert?
Vaatz: Allerdings. Deshalb hat mich die ganze Aktion auch nicht sonderlich überrascht. Ich hatte aus Erfahrung schon mal den Film aus meiner Kamera versteckt. Und das stundenlange Warten in irgendwelchen Räumen unter Polizeischutz habe ich in der DDR oft genug erlebt.
SPIEGEL: Das Auswärtige Amt in Berlin hat bereits den kubanischen Botschafter wegen des Rauswurfs einbestellt. Wie sehen Sie den Vorfall?
Vaatz: Es war eindeutig ein Bruch von internationalem Recht. Ich habe gegen keine Gesetze verstoßen und wurde entgegen internationalen Gepflogenheiten gehindert, meine Botschaft anzurufen.

DER SPIEGEL 21/2005
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