23.05.2005

DEUTSCHE BAHNMehdorn legt zu

Nach drei verlustreichen Jahren kann Bahnchef Hartmut Mehdorn auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch dieser Woche endlich wieder positive Zahlen verkünden. Das Staatsunternehmen hat im vergangenen Jahr ein operatives Ergebnis von exakt 253 Millionen Euro eingefahren gegenüber einem Minus von 172 Millionen in 2003. Vor allem die Bereiche Regio und Stadtverkehr können steigende Ergebnisbeiträge melden. Auch die Logistiktochter Schenker wächst weiter über Plan. Insgesamt stieg der Konzernumsatz um 4,1 Prozent auf fast 24 Milliarden Euro. In den ersten Monaten dieses Jahres entwickelt sich der Umsatz ebenfalls erfreulich - unter anderem aufgrund von Preisaktionen wie dem vergangene Woche gestarteten Verkauf von 49,90-Euro-Billigtickets bei der Discount-Kette Lidl. Doch es gibt auch Schattenseiten in der Bilanz. Ein internes Papier der Bundesregierung sieht die Entwicklung der Unternehmensbereiche Fernverkehr und Güterverkehr "kritisch". Zwar konnte der Fernverkehr seine Verluste im Jahr 2004 auf 260 Millionen Euro nahezu halbieren. Geplant war aber ein Minus von nur 137 Millionen Euro. Weit schlimmer sieht es bei der Güterverkehrstochter Raillion aus. Sie verzeichnete trotz positiver Verkehrsentwicklung rückläufige Umsätze und machte 15 Millionen Euro minus. Geplant war ein Plus von 120 Millionen. Für 2005 wird sogar mit Verlusten in Höhe von über 200 Millionen gerechnet. Als Grund werden der Verfall der Frachtraten und höhere Energiekosten genannt. Bei Raillion seien 2005 daher große Sanierungsanstrengungen nötig, heißt es in Regierungskreisen. Unbeirrt von diesen Zahlen wirbt Mehdorn bei Bundesregierung und Opposition weiter für einen schnellen Börsengang der Bahn. Er würde die parlamentarischen Hürden für die Privatisierung des Unternehmens gern noch vor der Bundestagswahl im nächsten Jahr nehmen. Demgegenüber sieht man im Verkehrsministerium den Börsengang frühestens 2007. Der Weg der Bahn zu einem weltweit führenden Transport- und Logistikdienstleister sei mit Risiken verbunden. Neben der konjunkturellen Entwicklung seien dafür Preiskämpfe mit Billigfluganbietern im Fernverkehr sowie höhere Marktrisiken durch die Globalisierung für die Transport- und Logistiksparte verantwortlich.

DER SPIEGEL 21/2005
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