23.05.2005

RUMÄNIENGefährlicher Mangel

Etliche rumänische Krankenhäuser schlagen Alarm, weil sie die medizinische Versorgung ihrer Patienten nicht mehr gewährleisten können. Um Außenstände finanzschwacher Krankenhäuser im Gesamtwert von 130 Millionen Euro einzufordern, hatten Arznei- und Sanitärlieferanten des Landes die Versorgung eingestellt. Daraufhin meldeten in der vergangenen Woche die größten Krankenhäuser in Temesvar akuten Mangel an medizinischem Material. Dem Regionalkrankenhaus des Banat, in dem Patienten aus der gesamten Region behandelt werden, fehlt es seither an Infusionen, dem Herzzentrum Temesvar an Nitroglyzerin - ein Stoff, der bei infarktgefährdeten Patienten zum Einsatz kommt -, die Mutterund-Kind-Klinik verfügt nur noch über knappe Reserven an Handschuhen, Spritzen und Watte. Gesundheitsminister Mircea Cinteza appellierte eindringlich an die Lieferanten, ihren Boykott aufzugeben und den Finanzstreit nicht länger auf Kosten der Kranken auszutragen. Zugleich sicherte er den Unternehmern zu, einen Teil der Schulden umgehend zu begleichen.
Nun sollen zumindest einige lebensnotwendige Medikamente geliefert werden. Damit allerdings sind die Probleme im rumänischen Gesundheitssystem keineswegs gelöst, vor allem nicht der chronische Finanzmangel: Die Vorgängerregierung unter Adrian Nastase hatte Gelder für diesen Sektor gezielt zweckentfremdet. Außerdem bezahlen von den 20 Millionen Krankenversicherten nur knapp 6 Millionen regelmäßig ihre Beiträge. Die Folge dieser Missstände
sind weitverbreitete Korruption und Bestechung im EU-Kandidatenland - so mancher rumänische Arzt operiert grundsätzlich nur gegen Bargeld.

DER SPIEGEL 21/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 21/2005
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

RUMÄNIEN:
Gefährlicher Mangel